Mothership Entertainment ist ein Team von vier alteingesessenen Spieleentwicklern, die schon an Titeln wie Star Wars: The Old Republic und Fable 2 arbeiteten. Ihr Erstlingswerk, in dieser Konstellation, ist Aven Colony und das versucht klassische Aufbaustrategie auf fremde Planeten zu bringen. Unter verschiedenen Wetterbedingungen baut man Erze ab, erntet außerirdisches Gewächs und stellt seine Siedler zufrieden. Die Website der Entwickler verspricht: „Wir kreieren Spiele mit Tiefe.“ Die Messlatte liegt hoch, für die interstellare Koloniesimulation.

Ameisenfarm

Im Kern des Spiels steht die Verwaltung von verschiedenen Ressourcen. Elektrizität, Wasser und Nahrung müssen meist am Anfang einer Runde schnell herbeigeschafft werden, während später im Spiel Dinge wie Kriminalität, Luftreinheit und Forschung eine Rolle spielen. Allerdings keine allzu wichtige, denn wenn man sich um die Grundversorgung seiner Kolonie einmal gekümmert hat, dann steht einem Sieg nichts mehr im Weg. Viele coole Mechaniken gehen deshalb verloren, man könnte eigentlich Aufputschmittel und Energieriegel aus außerirdischen Pflanzen anfertigen, oder neue Gesetze einführen um kleine Boni zu erhalten, tut man dann aber nicht, weil es zeitaufwendig ist und sich nicht groß auf die Kolonie auswirkt.

Zudem bekommt man nie eine visuelle Reaktion auf die eigenen Entscheidungen gezeigt, was diese noch unwirksamer erscheinen lässt. Zwischendurch wünscht man sich einen Hauch menschlicher Emotion, vielleicht einen wütenden oder von Drogen aufgeputschten Siedler, stattdessen ist man weit entfernt von der eigenen Bevölkerung. Deren Meinung sollte uns aber wichtig sein, immer wieder gibt es Referenden, bei denen entschieden wird, ob wir als Leiter an der Spitze bleiben. Wenn wir rausgewählt werden gibt es ein Game Over, nehme ich an, ich weiß es nicht, denn genügend Stimmen zu bekommen war während der gesamten Spielzeit nie ein Problem. Handel und Expeditionen gibt es auch, ersterer beschränkt sich auf den Tausch von Waren, letztere lassen uns auf der Weltkarte des Planeten nach Belohnungen suchen.

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Manchmal findet sich ein Cargo Pod in der Landschaft, den kann man mit seinen Drohnen nach Goodies durchsuchen.
Manchmal findet sich ein Cargo Pod in der Landschaft, den kann man mit seinen Drohnen nach Goodies durchsuchen.

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Handel, Forschung und Expeditionen sind nicht unbedingt nötig um eine funktionierende Kolonie zu bauen.
Handel, Forschung und Expeditionen sind nicht unbedingt nötig um eine funktionierende Kolonie zu bauen.

„Kampagne“

In der Kampagne spielt man sich durch neun verschiedene Missionen. Jede davon spielt auf einer eigenen Karte, die sich von Wald zu Wüste zu Tundra abwechseln. Nebenher wird eine relativ belanglose Geschichte von hölzernen Sprechern über Skype… äh, Shipe-Anrufe erzählt. Die wirken wohl auch für den gutherzigsten Spieler zu aufgesetzt, halten sich aber von Anzahl her in Grenzen. Die Missionen selbst sind jeweils circa eine Stunde lang und lassen sich auch gemütlich nebenher durchspielen. Meistens muss man eine Kolonie retten oder aufbauen, was durch eine immer leicht andere Herausforderung ausgedrückt wird.

Mal wütet ein Dünenwurm neben der Kolonie, mal ist der gesamte Boden vereist, sodass man ein echtes Problem mit Nahrungserzeugung hat. Zu viel Spannung kommt dabei aber nicht auf, hat man halbwegs mitgedacht sollten auch Katastrophen wie Giftgaswolken und Eisstürme nur ein kleines Hindernis darstellen. Zwischendurch bekommt man kleine Nebenaufgaben, exportiere eine gewisse Ressource, oder baue dieses oder jenes Gebäude, wofür man dann eine ebenso kleine Belohnung bekommt. Höhepunkte oder große Herausforderungen sucht man vergebens. Insgesamt ist die Kampagne eher ereignislos und dümpelt so im Mittelmaß dahin. Nach einer Mission sofort die Nächste zu starten, wirkt eher ermüdend als reizvoll.

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Zwischendurch erfüllt man Nebenmissionen und bekommt seine Belohnung dann fad per Pop-up serviert.
Zwischendurch erfüllt man Nebenmissionen und bekommt seine Belohnung dann fad per Pop-up serviert.

Das klingt jetzt erstmal sehr negativ, Aven Colony macht aber auch Laune. Man kann sich schon mal im gemütlichen Häuserpflanzen verlieren und einige Stunden damit verbringen seine Kolonie auszubauen. Insofern funktioniert das Spiel schon so wie es funktionieren soll, man baut Farmen und Minen, man handelt und forscht. Schade, dass all das einerseits sehr leicht ist, und dass es andererseits kaum Abwechslung gibt. Hat man die ersten paar Missionen einmal durchgespielt, hat man praktisch schon alles gesehen, das es zu sehen gibt.

Ein Teil von mir will Aven Colony Genre-Neulingen empfehlen, denn das Spiel ist der flache Mittelweg aus vielen anderen Aufbautiteln und man begreift schnell wie der typische Gameplay-Kreislauf funktioniert. Andererseits ist ein leichter Einstieg für den happigen Preis von gut 30€ schwer zu rechtfertigen, wenn Spiele wie Cities: Skylines, SimCity 4 Deluxe und die Anno-Reihe denselben Nerv treffen, nur tiefgreifender und charaktervoller, zu einem niedrigeren Preis. Veteranen, hungrig auf frische Aufbaukost, werden nach wenigen Stunden, dank mangelnder Tiefe im Spielsystem, enttäuscht. 


Weil Aven Colony nirgendswo schlecht, aber auch nicht außerordentlich ist, ist es so leicht zu vergessen, dass unter der faden Haube ein solides, wenn auch mangelhaftes, Spiel steckt. Aven Colony hat auf meinem System gute Performance gezeigt und ist nicht ein einziges Mal abgestürzt. In der Beta-Fassung gab es noch zwischendurch Ruckler, das wurde aber mit der Release-Version behoben. 
Das Spiel sollte auf den meisten Rechnern, auch mit vielen Frames, flüssig laufen.

Aven Colony - Wertung/Fazit

55 Schwach

Aven Colony leidet daran nichts so richtig gut zu machen. Das Setting hätte ja wohl Potential gehabt, aber nichts wurde daraus gemacht. Was dann noch bleibt ist ein mageres Aufbaustrategiespiel ohne Charme oder Charakter. Auch vom Umfang wünscht man sich für Preisklasse 30 € deutlich mehr. Meine Empfehlung ist, lieber warten bis das Spiel zum Budget-Preis erhältlich ist und sich dann nicht so sehr ärgern.
 Dem Entwickler-Team wünsche ich, dass es die Chance bekommt weitere Spiele zu produzieren, der Ansatz zu einem sehr guten Spiel ist schon mal vorhanden.

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Über den Autor

David

David ist im ländlichen Österreich aufgewachsen, wo es wenig zu tun gab, außer Videospiele zu spielen. Seine erste Konsole war ein heruntergereichter GameBoy. Dieser wurde im zarten Alter von fünf schnell zum Zentrum seiner Aufmerksamkeit, bevor er seinen ersten, eigenen PC bekam. Heutzutage studiert David Soziologie in der Innenstadt und sucht stetig nach neuem Gameplay, sei es Indie oder Triple-A.

  • Dabei seit:
  • Dez. 2015
  • Erstes Spiel:
  • Ein furchtbar schlechtes Biene-Maja Rätselspiel für den GameBoy
  • Spielt zur Zeit:
  • Hotline Miami 2 & eine erstaunliche Menge Downwell
  • Lieblingsspiel:
  • Gothic 2
  • Lieblingsessen:
  • Alles von der Mutti!
  • Lieblingsmusik:
  • Derzeit Satori von Grails

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