Donkey Kong Country: Tropical Freeze – Test (Switch)

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„YEAH! Ahh-HUUUH!“ – Mit diesem markerschütternden Schrei schlägt der bananenstarke König des Dschungels, Donkey Kong, auf dem staubigen Boden des Mangrovischen Strands auf. Die Erde bebt, die Flora wirbelt auf und die Fauna erzittert in demütiger Ehrfurcht. DK is back!

Die Viehkinger kommen

Der Kong-Clan, das sind Donkey, Diddy, Dixie, Cranky und Funky Kong, feiert gerade den Geburtstag des Erstgenannten Bananen-Connoisseurs, als sich am Horizont Ungemach abzeichnet: Die fiesen Viehkinger laufen mit ihrer Tiefkühl-Flotte nebst eisiger Besatzung aus Walrossen und Pinguinen auf. Die glitschigen Zeitgenossen überziehen nicht nur die Heimat der Kongs mit Schockfrost, sondern krallen sich auch noch den königlichen Bananenbestand. Zu allem Überdruss schleudern sie die Affenbande in hohem Bogen über den Ozean, auf die weit entfernte Insel Mangrovien. Von dort macht sich der Primatentrupp dann auf den mühseligen Weg, über mehrere Eiländer hinweg, zurück zur Donkey Kong-Insel. Dort gilt es schließlich den Invasoren endgültig das Handwerk zu legen.

Affenstarke Bananenhatz

Das tropische Abenteuer der Kongs gilt nicht zu unrecht als einer der besten Plattformer der letzten Jahre. Auf eurer Rückeroberung durch rund 60 Levels über sechs Inseln hinweg erwartet euch vor allem ein herausragendes, abwechslungsreiches und forderndes (aber stets faires) Leveldesign. Ihr rennt, rollt, springt, stampft und feuert euch durch dichte Dschungel, urige Alpen, malerische Strände, Obstplantagen und eisige Berge, das es eine wahre Freude ist!

So poltert ihr vornehmlich mit Oberprimat Donkey Kong durch die dynamisch gestalteten Levels, holt euch aber auch die Unterstützung eures haarigen Affenclans in Form von Diddy, Dixie und Cranky. Diese bringen allesamt besondere Eigenschaften mit sich. Diddy kann mittels Jetpack kurze Zeit schweben, während Dixie dank ihrer zotteligen Mähne propellerartig aufsteigen kann. Mit Cranky und seinem Gehstocks springt ihr im aus Duck Tales (NES) bekannten Pogo-Stil über allerlei stachelige Hindernisse hinweg und das deutlich höher, als sein Sohn Donkey je dazu im Stande wäre.

Von Baum zu Baum direkt auf die Rübe

Die Levels bieten allerlei fordernde Geschicklichkeitseinlagen – ihr schwingt euch nicht nur mehr oder weniger agil von Liane zu Liane, sondern müsst euch auch gut getaktet von Kanonenfass zu Kanonenfass feuern, über Windmühlen springen oder euch rechtzeitig über wegbröckelnde Plattformen bugsieren. Auf eurem Bananenpfad gilt es außerdem allerlei Getier wie fiesen Pinguinen, gemeinen Eulen oder schlagkräftigen Walrossen auf die Rübe zu geben. Vornehmlich mit eurem haarigen Gorilla-Po.

Die Bosskämpfe sind ganz Nintendo-untypisch nicht nach dem Bewährten „Dreimal-auf-die-Birne-und-gut-ist“-Muster zu gewinnen. Im Gegenteil, die dicken Brocken stellen sich als besonders widerstandsfähig heraus und halten in mehreren Kampfphasen locker das Dreifache oder mehr aus. Das zieht sich manchmal gefühlt etwas zu sehr und nervt bisweilen sogar, wenn man das Zeitliche segnet und den Kampf erneut beginnen muss.

Mysterien des Dschungels

Auf eurer Reise entdeckt ihr dabei zahlreiche Puzzleteile, Buchstaben (K-O-N-G) und Geheimausgänge. Diese schalten Extras wie Konzeptgrafiken und Musikstücke, aber auch zusätzliche Abschnitte frei. Jeder Level enthält bis zu neun Puzzleteile, welche mitunter sehr gut versteckt sind und nur in Summe besagte Boni freischalten. Die K-O-N-G Buchstaben sind meist gut sichtbar platziert, erfordern aber nicht selten eure sekundengenaue Reaktion, um sie abgreifen zu können. Habt ihr alle auf einer Insel beisammen, erlangt ihr Zutritt zu einem der superknackigen K-Level. Schafft ihr davon alle, eröffnet sich euch wiederum eine siebte Insel mit drei weiteren Levels. Aber seid gewarnt, diese sind nur von den hartgesottensten Affendompteuren unter euch zu meistern.

Gorilla-Planschbecken

In der Donkey Kong Country-Trilogie für das Super Nintendo waren die Unterwasserabschnitte nicht nur wegen ihrer fast schon transzendierenden, musikalischen Untermalung äußerst beliebt. Im Donkey Kong Country Returns, dem direkten Vorgänger von Tropical Freeze auf der Wii, fehlten diese leider gänzlich. Dafür feiern sie nun endlich ihr glamouröses Comeback. Ganze Levels spielen sich nun unter Wasser ab – sogar inklusive eines bildschirmfüllenden Bosskampfes. Das alles untermalt von einer Neuinterpretation des genialen Soundtracks von damals, wieder aus der Feder von Serienveteran David Wise!

Des Kongs bester Freund

Rhinozeros Rambi steht euch in manchen Levels zur Verfügung. Flugs auf seinen Rücken gesattelt, rammt der Dickhäuter alles weg, das nicht bei drei an der nächsten Palme hängt. Schmerzlich vermissen wir aber weiterhin all die charismatischen Reittiere vergangener 16-bit Zeiten wie Expresso den Strauß, Enguarde den Schwertfisch oder Winky den Frosch, um nur einige zu nennen. Diese haben durch ihre unterschiedliche Spielweise das Gameplay enorm bereichert und dadurch die Abwechslung gefördert.

Mit Affenzahn über Stock und Stein

Nicht nur Levels im kühlen Nass sowie Reittiere sind ein Muss für ein Spiel der Donkey Kong Country-Reihe, sondern auch die berüchtigten Loren-Levels. Berüchtigt deshalb, weil die Einen sie aufgrund ihres hohen Schwierigkeitsgrades lieben und die Anderen sie genau deshalb verteufeln. Tropical Freeze wartet ebenfalls mit einigen dieser Lorenfahrten auf, welche zwar durchaus anspruchsvoll, aber dank dynamischer Kamerafahrten und geskripteter Ereignisse dafür umso spektakulärer in Szene gesetzt wurden. Ein wenig Trial & Error ist leider zum Absolvieren der holperigen Fahrten erforderlich, der Motivation schadet das aber keinesfalls.

Dasselbe gilt auch für die Raketenfass-Levels, welche ihr Debüt in Donkey Kong Country Returns feierten. Ihnen liegt im Grunde ein Gameplay ähnlich dem Mobile-Hit „Flappy Birds“ zugrunde: Durch wiederholtes Drücken der B-Taste gewinnt ihr an Flughöhe, ansonsten sinkt euer hochentzündliches Flugfass. Dank zahlreicher, mitunter plötzlich ins Bild fliegender Hindernisse selten ein leichtes Unterfangen, die richtige Flughöhe zu halten. Spaß macht das trotz des hohen Anspruchs trotzdem jede Menge.

Für die Extraportion Funk

Neu im Vergleich zur Wii U-Version ist der Funky Kong-Modus. Während der obercoole Kong bislang nur als Verkäufer für Items diente, welche euch das Leben ein wenig erleichtern, dient er jetzt auch als spielbarer Gorilla in besagtem Funky-Modus. Für diesen könnt ihr euch vor Spielbeginn entscheiden, dürft das aber hinterher für den Spielstand nicht mehr rückgängig machen. Im Grunde handelt es sich dabei um einen entschärften Schwierigkeitsgrad. Während die anderen Kongs ein Lebensherz mehr zur Verfügung haben als im Originalspiel, könnt ihr mit Funky auf seinem Surfbrett nur so durch die Levels fliegen. Viele Hindernisse, wie stachelige Pflanzen, sind dadurch kein Problem mehr. Ansonsten gibt es nur wenig Unterschiede zur Wii U-Fassung. Die Auflösung wurde von 720p auf knackscharfe 1080p bei weiterhin 60 Bildern pro Sekunde erhöht, hier und da wurde etwas an den Animationen oder Texturen gefeilt. Im Großen und Ganzen sieht das Spiel aber weitestgehend identisch aus.

Fazit

Das Abenteuer der Affenbande ist schlichtweg einer der besten Plattformer der letzten Jahre. Für mich persönlich hält da höchstens noch Rayman Legends oder das jüngst veröffentlichte Celeste mit. Wer einmal mit der Primatenbande ins Abenteuer eingetaucht ist, wird schlagartig von der immens stimmigen Atmosphäre eingesogen. Der Dschungel ist auf eine derart lebendige wie dynamische Weise inszeniert worden, das es eine wahre Freude ist, die Kongs auf ihrem Rachefeldzug zu unterstützen. David Wise‘ phänomenaler Soundtrack trägt sein übriges dazu bei – nicht selten werdet ihr euch beim mitsummen und -wippen erwischen.

Neben so manch nerviger Trial & Error Passage und den zähen Bosskämpfen habe ich nicht viel Kritik zu üben. Lediglich weitere Reittiere, wie in vergangenen 16-bit Tagen, hätte ich mir gewünscht. Außerdem wären neue Inhalte abseits des Funky-Modus für die Switch-Umsetzung angebracht gewesen. So erscheint der Preis über 60 Euro doch etwas frech seitens Nintendo. Rein qualitativ betrachtet ist das Spiel aber über jeden Zweifel erhaben, auch vier Jahre nach Erstveröffentlichung. Fans von Plattformern dürfen also bedenkenlos zugreifen.

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About Author

Alessandro

Gamer. Geek. Minimalist. Seine größte Leidenschaft wurde auf 8-Bit-Konsolen entfacht und ist bis heute ungebrochen. Liebt unkonventionelle Titel abseits des Mainstreams ebenso wie AAA-Blockbuster.

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