Donut County – Test (iOS)

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Wenn sich der Indieentwickler Ben Esposito (»What Remains of Edith Finch«) mit Annapurna Interactive (»Gorogoa«, »Florence«) zusammentut, schlägt das dem Fass den Boden aus. Oder ein Loch in den Boden. Na ja, wie auch immer, aber auf jeden Fall im besten Sinne! »Donut County« ist ein physikbasiertes Puzzlespiel über ein Mädchen, einen Waschbären, eine tierische Nachbarschaft sowie deren Beziehungen untereinander. Eure Rolle dabei ist bodenlos. Also, das ist jetzt wörtlich gemeint, denn ihr mimt tatsächlich ein Loch. Im Boden.

Zunächst wirkt also noch ganz unscheinbar...

Zunächst wirkt also noch ganz unscheinbar…

Neunhundertneunundneunzig Meter

Exakt so tief reicht ihr, das namenlose Loch, unter die Erde. Auf eurem Grund befinden sich jede Menge Asche, Schutt, Gerümpel und Müllberge von der Oberfläche. Inmitten des heillosen Chaos spendet ein kleines Lagerfeuer Licht und Wärme. Ringsherum sitzen zahlreiche pelzige Gestalten sowie die Teenagerin Mira und Donut-Shop-Besitzer BK.

Bei letzterem handelt es sich um den besagten Waschbären, müsst ihr wissen. Waschbären lieben bekanntlich Müll. Da der Müll in »Donut County« immer knapper wird, hat BK im Auftrag des »Trash King« und der Waschbärengemeinschaft einfach überall Löcher gegraben, um an möglichst viel Müll zu gelangen. Mit Bravour. Als es jedoch kaum noch Müll aus den üblichen Quellen wie Abfallcontainern zu stibitzen gab, machten sich die Waschbären daran, einfach alles im Untergrund verschwinden zu lassen, das nicht bei »drei« auf dem Baum ist (und selbst vor Bäumen machen sie nicht halt!).

...doch bald darauf eskaliert die Situation!

…doch bald darauf eskaliert die Situation!

Die Antithese zu Katamari Damacy

Während ihr in Keita Takahashis verrücktem Meisterwerk von 2005 möglichst viel Gerümpel zu einem immer größeren Müllberg zusammenrollt, müsst ihr indes im »Donut County« das genaue Gegenteil bewirken. Je mehr ihr in das Loch fallen lasst, desto größer wird es, wodurch ihr wiederum immer größere Objekte in den Schlund purzeln lassen könnt.

Wie in Katamari Damacy reicht das bis hin zu ganzen Wolkenkratzern. Und macht gleichermaßen Freude. Während die flauschigen Gefangenen des Schlunds nach und nach ihre traumatischen Erlebnisse Revue passieren lassen, spielt ihr die Ereignisse nach und verursacht aktiv die beschriebene Misere. Begleitet durch pfiffige Dialoge, hinterlasst ihr eine sagenhafte Spur der Zerstörung.

Aufgelockert wird das zwischendurch mit kleineren Rätseln, über weite Strecken bleibt das Spielprinzip aber dasselbe. Leider erst ganz zum Schluss erwarten euch etwas komplexere Aufgaben, welche sich sogar über mehrere Lokationen erstrecken, wo ihr sonst stets an einen Ort (sprich: Bildschirm) gebunden seid. Dann ist der grundlose Spaß aber leider auch schon wieder vorbei.

Wahre Worte?

Wahre Worte?

Wahre Worte!

Wahre Worte!

Fazit

Während der rund zwei bis drei Stunden im »Donut County« habe ich mich angesichts amüsanter Dialoge, verschrobener Charaktere und tiefgründiger Zerstörungswut köstlich unterhalten gefühlt. Herausfordernd wurde es dabei nie, dafür überzeugte mich »Donut County« mit seinem von Spielwitz durchtriebenem Spielablauf.

Schade nur, dass das Spiel über weite Strecken hinter seinen Möglichkeiten bleibt und mir dies auch noch anhand des komplexer gestalteten Finales vor Augen führt. Wer Spaß an pfiffigen, unkonventionellen Spielideen hat, darf sich selbst, das »Donut County« und Berge an Müll gerne in den Abgrund stürzen.

  • Annapurna Interactive
  • iOS/Mac/PC/PS4
  • Bereits erhältlich
  • 6 Euro (iOS), 12 Euro (Mac/PC/PS4)
Teile.

Übern den Autor

Alessandro

Gamer. Geek. Minimalist. Seine größte Leidenschaft wurde auf 8-Bit-Konsolen entfacht und ist bis heute ungebrochen. Liebt unkonventionelle Titel abseits des Mainstreams ebenso wie AAA-Blockbuster.

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