Final Fantasy XV – Review (PS4)

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Nach einer Entwicklungs-Odyssee von über 10 Jahren und einer Namensänderung (ursprünglich Final Fantasy XIII Versus) hat das neue Machwerk von Square Enix endlich das Licht der Welt erblickt. Die Erwartungen bei einem Spiel, welches so lange in der Entwicklung war, sind natürlich ausgesprochen hoch. Meiner Meinung nach so hoch, dass kein Spiel sie hätte erfüllen können – so schafft das auch nicht der neuste Ableger der FF-Reihe. Dennoch lohnt sich ein Abstecher nach Eos, denn obwohl es kein Meisterwerk ist, ist es trotzdem ein sehr gutes Spiel geworden.

Story

Protagonist Prinz Noctis Lucis Caelum wird von seinem Vater, Regis, dem König von Insomnia, auf die Reise nach Altissia geschickt, um dort Prinzessin Lunafreya von Tenebrae zu heiraten. Begleitet wird er von seinen drei Freunden Prompto, Ignis und Gladiolus. Die Heirat soll Frieden zwischen den beiden verfeindeten Reichen, Lucis und Niflheim, bringen. Während unser junger Prinz auf dem Weg zu seiner Versprochenen ist, lädt Regis das verfeindete Reich zu Friedensverhandlungen ein. Regis senkt das schützende Schild der Stadt, das Niflheim Imperium nutzt daraufhin die Gelegenheit, um in die Stadt einzufallen und sie dem Erdboden gleich zu machen. Der König stirbt und das Chaos nimmt seinen lauf.

Nachdem Noctis die Nachricht über die Invasion erreicht hat, beschließen die Vier, weiter nach Altissia zu reisen, um zusammen mit Lunafreya einen Plan gegen die Nilfheimer zu entwickeln. Die Qualität der Geschichte ist ganz ordentlich, wenn auch ungewohnt düster und politisch für ein Final Fantasy. Leider gibt es hin und wieder große Handlungslücken. An einer Stelle des Spiels möchte Gladiolus alleine sein und somit müssen die Freunde ein Kapitel ohne ihn bestreiten. Am Ende des Kapitels stößt er zurück zur Gruppe, mit einer Narbe im Gesicht. Er möchte uns aber nicht erzählen, was passiert ist und somit erfahren wir nicht, was der gute alleine getrieben hat. Solche Lücken wirken sehr komisch, vermutlich wird diese Geschichte aber in dem DLC Episode Gladiolus erzählt. Ob sich zukünftig wirklich alle Lücken mit den noch zu erscheinenden Erweiterungen schließen werden, bleibt abzuwarten. Wir dürfen gespannt sein.

Boygroup auf Roadtrip

Als jahrelanger Fan dieser Serie muss ich noch was loswerden: Ich kann mich mit den Hauptcharakteren nicht so recht anfreunden. Sie sind zwar gut gezeichnet und haben alle einen gewissen Charme. Ihre Beziehung untereinander kommt wirklich gut rüber. Man merkt, dass sie schon viele Jahre befreundet sind, was sehr viel zur Atmosphäre beiträgt und ein ganz großes Plus für den neuen Teil ist. Auf der anderen Seite sehen sie nun einmal aus wie eine Boygroup aus Fernost. Das mag einige nicht stören, aber für viele könnte das schon ein Grund sein, diesen Titel nicht anrühren zu wollen. Wer sich davon abschrecken lässt, wird aber einiges verpassen. Der neue Ableger der Reihe ist, wie schon gesagt, nicht das erhoffte Meisterwerk geworden, dennoch hat der Entwickler einiges in das Spiel gepackt, was wahre Final Fantasy-Enthusiasten mit den Ohren schlackern lässt.

JRPG vom Feinsten

Man sollte immer beachten, dass FFXV ein typisches Japano-Rollenspiel ist. Nicht jeder kann damit etwas anfangen, Fans solcher Spiele dürften mit dem neusten Teil aber ihre helle Freude haben. Die offene Spielwelt ist riesig und gefüllt mit Nebenquests und sonstigen Aktivitäten, dennoch darf man bei den Quests, fernab der Hauptstory, keine erzählerischen Meisterwerke, wie in The Witcher 3, erwarten. Die meisten Aufgaben beschränken sich genretypisch auf sogenannte Catch-N-Fetch-Aufgaben – sammle 10 hiervon, töte 10 davon, ohne dabei wenigstens eine spannende Geschichte zu erzählen. So sammeln wir für die einheimische Naturforscherin in einer gestellten Aufgabe 5 blaue Frösche, nur um anschließend 5 gelbe Frösche zu sammeln. Das wird auf Dauer etwas eintönig. Dennoch macht es Spaß, mit Noctis und Co. durch die Gegend zu ziehen, da die Jungs zu fast allem, was einem während seiner Reise begegnet, etwas zu sagen haben.

Camping mit Freunden

Übernachtungen und die damit verbundene Wahl des richtigen Schlafplatzes sind äußerst wichtig. Zum einen ist es gefährlich, nachts zu reisen, da zu dieser Zeit besonders starke Monster unterwegs sind, zum anderen können wir nur durch einen gesunden Schlaf Level aufsteigen. Wir sammeln während des Kämpfens zwar Erfahrungspunkte, diese werden aber gespeichert und erst dann ausgeschüttet, wenn wir schlafen.

Dabei haben wir die Qual der Wahl: Entweder wir campen unter freien Himmel, was uns erlaubt, dass Ignis uns eine leckere Mahlzeit kocht, welche je nachdem, welches Essen wir gewählt haben, unsere Angriffskraft, Lebensenergie oder ähnliches kurzzeitig verbessert. Oder wir investieren etwas Geld für ein Hotelzimmer. Dort kann Ignis uns zwar kein Essen zubereiten, dafür erhalten wir aber einen Multiplikator auf unsere gespeicherten Erfahrungspunkte, was die Stufenaufstiege deutlich beschleunigt.

Mein Hobby: Das Angeln

Jeder der vier Freunde hat ein spezielles Talent. Noctis ist leidenschaftlicher Angler, Gladiolus ist Überlebenskünstler, Ignis ist, wie eben angesprochen, ein begnadeter Koch und Prompto ist der Fotograf der Gruppe. Jede dieser Fähigkeiten bringt spezielle Vorteile mit sich. Durch das Angeln kann man spezielle Fische fangen, mit denen Ignis uns dann neue kulinarische Leckerbissen auf den Tisch zaubert. Unser Überlebenskünstler Gladiolus findet immer mehr und bessere Gegenstände nach den Kämpfen und der quirlige Prompto fotografiert was das Zeug hält. Besonders hervorzuheben ist das zuletzt genannte Talent. Nach jeder Übernachtung zeigt Prompto uns seine geschossenen Bilder, die teilweise sehr schön wirken. Darunter sind Landschaftsbilder, Selfies und auch Schnappschüsse direkt aus einem Kampf. Ich finde, dieses innovative Feature ist wirklich gelungen, vor allem weil es auch am Ende der Hauptgeschichte noch ein bisschen mit in die Story eingebunden wird. Großes Lob an die Designer dieses Talentes.

Freude schöner Götterfunken

Espers, Guardian Forces oder Summons, wie auch immer man sie nennen mag, diese Gottheiten sind natürlich wieder im Spiel. Dieses Mal spektakulärer als je zuvor. Leider lassen sie sich nicht zu jeder Zeit beschwören. Es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden bevor man diese mächtigen Wesen zur Hilfe rufen kann. Zum einen sind bestimmte Aspers, wie sie in Teil 15 heißen, an bestimmte Gebiete in der Welt gebunden. Ist man zum Beispiel in einem Dungeon unterwegs, können nur Shiva und Ramuh beschworen werden. Des Weiteren können sie erst dann herbeigerufen werden, wenn die Gruppe stark angeschlagen ist.

Dadurch treten sie sehr selten in Erscheinung. Auf der einen Seite hat das den Vorteil, dass die Beschwörungsanimationen nur sehr langsam abgenutzt wirken, auf der anderen Seite ist es schade, dass so ein großer Bestandteil des FF-Universums quasi nur beiläufig im Spiel existiert. Eine weitere sehr fragwürdige Designentscheidung ist in meinen Augen das neue Magiesystem. Zuerst muss man sie aus einer der drei Elementarquellen Feuer, Eis und Blitz herausziehen, ähnlich wie in FFVIII. Anschließend füllt man die vorhandene Elementarenergie nach Belieben zusammen mit einem Katalysator in einen Magieflakon, der dann wie eine normale Waffen in eine der vier Waffenslots ausgerüstet wird.

Als Katalysator dienen jegliche Gegenstände, die man im Inventar mit sich führt. Heiltränke, Kochzutaten oder Wertgegenstände, jedes dieser Items verändert die Wirkung der Zauber. So kann man zum Beispiel einen Blitzzauber herstellen, der gleichzeitig den Wirker auch noch heilt oder den Gegner verlangsamt. In der Theorie klingt das im Grunde gar nicht so schlecht, in der Praxis macht das alles aber nicht viel her. Die Magie ist zwar äußerst stark, dennoch habe ich sie in weiten Teilen des Spiels vernachlässigt. Einerseits sind die Zauber nur auf wenige Anwendungen begrenzt und andererseits haben sie einen sehr langen Cooldown.

Keine „Menükämpfe“ mehr

Eines der Dinge, die sich im Vergleich zu früheren Final Fantasys am stärksten geändert hat, ist eindeutig das Kampfsystem, denn es läuft komplett in Echtzeit ab. Optional kann aber ein Wartemodus aktiviert werden, mit dessen Hilfe man in aller Ruhe den Feind auswählen kann, der das Opfer unserer nächsten Angriffe werden soll. Die meiste Zeit des Kampfes hält man die Kreis-Taste gedrückt, in Verbindung mit den
Richtungstasten. Je nachdem, welche Richtung man drückt und welche Waffe man ausgerüstet hat, vollführt Noctis teilweise sehr akrobatische Kunststückchen.

Man kann seinen Begleitern auch diverse Kommandos zuordnen, die man dann im Geschehen abrufen kann, sofern der Kommandobalken ausreichend gefüllt ist. Zusätzlich kann man seinen Kameraden noch Fähigkeiten beibringen, die sie selbständig im Kampf benutzen. Bis auf die Kommandos hat man keinen direkten Einfluss darauf, was die anderen Jungs währenddessen so machen. Denn anders als in allen anderen FF-Teilen, steuern wir in diesem Teil ausschließlich Noctis, was vielleicht auch besser ist, da das Kampfsystem auch so schon sehr chaotisch wirkt. Und das liegt nicht nur an der, vor allem in engen Räumen, sehr schlecht gelungenen Kamera. Oft entzieht sich das Kampfgeschehen dem sehenden Auge, da die Sicht von irgendwelchen Monstern oder Höhlenwänden blockiert wird.

Nichts desto trotz sind die Kämpfe schnell und actionreich in Szene gesetzt und machen auch ordentlich Spaß. Das liegt aber auch daran, dass wir eine ziemlich groß Bandbreite an verschiedenen Waffen benutzen dürfen. Sind Gladiolus, Ignis und Prompto auf ihre eigenen speziellen Waffentypen beschränkt, dürfen wir in der Rolle von Noctis aus allen 10 Varianten frei wählen. Dazu gehören: Schwert, Großschwert, Lanzen, Dolche, Schusswaffen, Schilde, Maschinerie, Königswaffen, Zauber und Ringmagie. Wobei letztere erst sehr spät in der Hauptstory freigeschaltet wird und es bis jetzt auch tatsächlich nur einen Ring gibt. Mit ihm lässt sich unter anderem der Zauber „Tod“ wirken, den man schon aus anderen Teilen kennt.

Die Königswaffen sollte ich vielleicht auch noch kurz genauer beschreiben. Das sind sehr starke Waffen, die einst den Vorfahren von Noctis gehörten. Diese 13 Exemplare sind auf der ganzen Karte in Königsgräbern verteilt. Der Haken an ihrer Benutzung ist allerdings, dass sie unserem Helden selber pro Treffer auch ein wenig Lebensenergie abziehen.

All das verleiht dem Kampfsystem doch noch ein wenig Tiefgang. Persönlich sehne ich mich dennoch nach dem System der alten Teile. Für mich gehört das rundenbasierte Kampfsystem einfach zu einem guten Final Fantasy, wobei ich auch in Teil 15 viel Spaß beim Bezwingen der Monster hatte, was allerdings nicht allein am neuen Kampfsystem lag…was mich zu meinem nächsten Thema bringt.

Mein alter Freund, der Chocobo

Die schönsten Erlebnisse in diesem Teil hatte ich, als ich auf alte Bekannte traf. Es gibt natürlich wieder einen Charakter Namens Cid, diesmal sogar mit Tochter Cidney im Schlepptau. Trotz Cidneys üppigen Rundungen und sehr knappem Outfit, war das noch lange nicht das Highlight der Begegnungen, die ich in FFXV hatte. Das Beste war eindeutig ein Wiedertreffen mit den von allen geliebten Chocobos. Nicht nur, dass sie fantastisch gemacht aussehen, sie erleichtern das Erkunden auch ungemein. Man darf sogar an diversen Chocobo-Rennen mit ihnen teilnehmen und sie nach Herzenslust einfärben.

Zwar bringt die unterschiedliche Farbe der gefiederten Freunde keine Vorteile, wie in FFVII, dafür führt ihre Benutzung zu einem Levelaufstieg der Tierchen. Dadurch werden Ausdauer, Geschwindigkeit und Sprunghöhe verbessert. Ein weiteres Highlight für mich waren die zahlreichen bekannten Monster aus den alten Teilen. Es war einfach wundervoll, mal wieder gegen einen Tomberry, Kaktor oder Morbol zu kämpfen. Dazu kommt, dass die Monster unglaublich detailreich modelliert und auch deren Animationen sehr gut umgesetzt wurden.

Riesige, hübsche Welt

Womit ich gleich beim nächsten Thema wäre. Die komplette Welt, abgesehen von manchen Dungeons, ist den Entwicklern sehr gut gelungen. An manchen Stellen merkt man zwar, dass das Spiel anfänglich für die PS3 entwickelt wurde, da es hier und da doch noch ein paar matschige Texturen gibt, im Großen und Ganzen ist die komplette Umgebung aber äußerst hübsch. Von Bilderbuch-Sandstränden über Sumpfgebiete bis hin zu Wüste und Vulkanlandschaft ist alles dabei und sieht phänomenal gut aus. Die Wettereffekte und der dynamische Tag- und Nachtwechsel tun ihr Übriges, um die ganze Szenerie noch lebendiger wirken zu lassen.

Schön gelungen ist auch, dass die auftauchenden Monster und Tiere thematisch zur Umgebung passen. Trifft man in der Außenwelt hauptsächlich Wildtiere aller Art, verbergen sich in den Höhlen fiese Monster, die einem das Leben erschweren wollen. Aber die Welt ist nicht nur schön, sondern auch riesig. Zum Glück haben unsere Helden neben den praktischen Chocobos auch ihren sehr nützlichen königlichen Luxusschlitten dabei, den Regalia. Dieser lässt sich nach Beenden der Hauptstory noch erweitern, damit man mit ihm auch den Himmel unsicher machen kann.

Der Regalia macht das Reisen deutlich angenehmer, trotzdem muss ich sagen, dass mir die Art und Weise, wie das Auto sich steuert, nicht gefällt. Zum einen kann man nicht von der Straße auf unwegsames Gelände fahren, was ich an sich nicht so schlimm finden würde, wenn sich unser fahrbarer Untersatz nicht so anfühlen würde, als würde er auf Schienen fahren. Zusätzlich trübt eine fast schon geisterhafte Hand, die uns immer leicht auf der richtigen Spur hält, den Fahrspaß. Glücklicherweise haben wir auch die Möglichkeit, uns von Ignis durch die Gegend kutschieren zu lassen. Diese Variante empfehle ich auch allen, die stressfrei von A nach B kommen möchten. Der Unterschied vom manuellen zum automatischen Fahren ist erschreckend gering. Also warum selber R2 zum Beschleunigen gedrückt halten und warten bis das ziel erreicht ist, wenn man das Ganze auf unseren brillentragenden Freund abwälzen und währenddessen mal eben eine Pinkel- oder Zigarettenpause machen kann. Übrigens: Hat man die Gebiete einmal besucht, kann man dank Schnellreise-Funktion „schnell“ hin und her reisen – wenn die langen Ladezeiten nicht wären, aber einen Tod muss man wohl sterben.

Final Fantasy XIII - Wertung

88 Sehr Gut

10 Jahre mussten wir auf diesen Teil warten. Man merkt dem Titel diese lange Entwicklungszeit auch an und das nicht nur im positiven Sinne. Viele Inhalte wirken wild zusammengeschustert. Final Fantasy XV versucht vieles auf einmal zu sein: Ein Open-World-Spiel, welches gleichzeitig auch noch eine kinoreife Story erzählt. Leider glückt nicht alles zu hundert Prozent. Ab der zweiten Hälfte des Spiels hat man die Wahl, entweder man verfolgt die linear verlaufende Hauptstory oder man questet in der offenen Spielwelt weiter. Man kann zwar jederzeit zurück in die offene Welt reisen, den Kniff, den Square Enix dafür verwendet, finde ich allerdings etwas fragwürdig.

Um Spoilern vorzubeugen, möchte ich aber lieber nichts Näheres über diesen verraten. Abschließend kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass der neue Teil ein würdiger Träger des großen Namens ist, trotz diverser Ecken und Kanten. Die Hauptstory ist mit rund 20-30 Stunden Spielzeit zwar leider etwas kurz ausgefallen, dennoch bietet das Spiel viele Nebenaktivitäten, die einen auch noch nach den Credits bei Laune halten. Mit den unzähligen Nebenquests, Jagdaufträgen und den geheimen Dungeons lässt sich leicht die 100-Stunden-Grenze brechen. Hoffentlich füllen zukünftige DLC´s die noch vorhandenen Story-Lücken! Wenn sie das schaffen und zusätzlich noch weiteren interessanten Content hineinpacken, könnte das jetzt schon sehr gute Spiel vielleicht doch noch zum erhofften Meisterwerk werden.

  • User Ratings (2 Votes) 8
Teile.

Übern den Autor

Ron

Ron machte seine ersten Zockererfahrungen vor vielen, vielen Jahren als kleiner Knirps mit dem Commodore 64. Seine Leidenschaft entfachte aber erst der Super Nintendo, zusammen mit Mario.

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