Flashback 25th Anniversary Special Edition – Test (Switch)

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Vor 25 Jahren war die Welt noch in Ordnung. Bis auf einen kleinen Krieg, Seuchen, Ace of Base und die Angst vor einem thermonuklearen Holocaust. Wollte sich der Mensch diesen Gräueln entziehen, floh er nicht selten in die immer beeindruckenderen Videospiele. Mit Flashback, für alle Plattformen, können wir nun einmal mehr der Realität entfliehen. Ob dies zu empfehlen ist oder ob man lieber doch einfach depressiv wird, erfährst du im folgenden Test.

Präsentation

Als ich mit klammen Fingern die 40 Euro teure Special Edition zu Flashback 25th Anniversary in Empfang nahm, war das vorherrschenden Gefühl Freude. Schließlich handelt es sich bei Flashback um eines der ersten filmischen Konsolenspiele, welches dank Rotoskopie unterstützten Animationen und bahnbrechenden Videosequenzen die Kritiker und Spieler zu begeistern wusste. Es war wohl die Nostalgie die mich zur Super Deluxe Hyper Mega Collectors Edition zu solch einen hohen Preis greifen ließ. Die Edition kommt in einem kleinen Pappkarton daher und beinhaltet folgendes: Das Spiel ( Dies verdient Erwähnung, wenn man bedenkt das Capcom oder Rockstar gerne mal Special Editions ohne Software für über hundert Euro verkaufen.) Eine ANLEITUNG  (War früher die Norm und wurde sehr gern als Füllmaterial für den Mülleimer der Wahl verwendet. Heute ist eine ANLEITUNG allerdings so selten, dass sie etwas besonderes ist.)
Ein Code für das Herunterladen des Soundtracks von Flashback (Es gab eine Zeit, in der man Videospiel Soundtracks in jeder Kellogs Frostys Packung finden konnte. Ist nur eine Anmerkung von mir und sagt nichts über die Qualität des Flashback Soundtracks aus, welcher, im übrigen, großartig ist.) Fernerhin ziehen wir noch ein allseits beliebtes Steelbook in Form einen platt gefahrenen NTSC Moduls aus dem Karton. Im Steelbook befindet sich eine kleine, sehr dünne Metallvisitenkarte mit der Produktnummerierung, welche zweifelsohne für Neid und Bewunderung unter Freunden, Verwandten und Kollegen sorgen wird. Der aufmerksame Leser wittert bereits einen sanften Hauch von Sarkasmus und er sollte recht behalten.
Die Sammlung wirkt ein wenig als käme sie aus dem Sortiment von „Rudis Reste Rampe“ (Alle Artikel 1 Euro oder bestes Gebot.) Meine Hoffnung lag auf dem Steelbook, welches auf der Abbildung wie eine stilische Idee wirkte. Ein SNES Modul aus Metall als Hülle. Wie kann man da Nein sagen? Nun, wenn das gelieferte Produkt dann aussieht als wäre man mit einer Dampfwalze drüber gefahren, zum Beispiel. Das Material wirkt minderwertig und fühlt sich auch so an. Für das Geld ist dies eine Frechheit. Überraschend fröhlich stimmte mich der hervorragende Nachdruck der Anleitung. Eine solide Papierstärke in Kombination mit originalgetreuen Abbildungen und sogar einem kleinen Levelguide sorgen für Wohlgefallen.
Als ich jedoch die Anleitung in die Spielhülle stecken will, verschwindet mein Frohsinn. Sie passt nicht. Weder in die Plastik- noch in die Metallhülle. Die Anleitung ist 0,5 Millimeter zu lang. In genau diesem Moment gehen diverse Autoalarme los, Hunde beginnen zu kläffen und einige schwangere Frauen gebären spontan ihr Kind, während ich in voller Lautstärke meinen Frust hinaus brülle. Die Frage: „Ist die spezielle Edition 40 Euro wert?“ Kann man also getrost mit einem „Fuck. Nein!“ Beantworten.

Was ist aber mit dem Spiel selbst?

Das Hauptmenü bietet uns unter Optionen einige Modifikationen an. Wir können Filter ändern. Allerdings gibt es nur zwei Varianten: Filter-An oder Filter-Aus, was doch sehr karg wirkt im Angesicht vergleichbarer Titel welche deutlich mehr anbieten. Daneben steht es uns frei Anti-Alising und Bloom zu aktivieren. Das Problem ist hierbei, dass die Unterschiede marginal sind. Als wäre diese Vielfalt an Möglichkeiten nicht genug, können wir auch eine Röhrenfernseher Optik simulieren, Rauschen und Störungen zuschalten und eine Seitenleiste konfigurieren.
Alles Dinge die mein Fernseher ohnehin schon tut, ohne dass ich ihn darum bitten muss. Unter dem Menüpunkt Sound erwartet uns: Nichts. Jedenfalls nichts was uns beeindruckt. Keine Soundtrack Playlist, keine Soundeffekt Bibliothek. Nur Schieberegler und die Option den Sound in der 8-Bit Variante abzuspielen. Es mangelt dieser Anniversary Edition an Anniversary. Ein Museumbereich wie in der, unter diesem Aspekt grandiosen, Street Fighter Anniversary Edition wäre etwas gewesen, dass den Kauf etwas verlockender macht. Gibt es aber nicht. Fällt aus wegen Regen. Ist ausverkauft. Die Leute bei Microid, welche dieses Remaster herausgebracht haben, hatten wohl mehr damit zutun die Steelbooks handzuklöppeln als die Software attraktive zu gestalten.
Flashback selbst, ist immer noch Flashback. Es handelt sich grafisch um einen Sega Mega Drive Port, leider trifft dies auch auf den Sound zu. Besser wäre die SNES Version als Vorlage gewesen. Würde sich auch anbieten, wenn man schon ein SNES Steelbook Modul anbietet. Merkt man eigentlich wie sehr mich das Steelbook verärgert hat?

Gameplay

Flashback bietet uns zwei Spielarten: Klassisch und Modern. Im klassischen Modus erwartet uns die Urversion des Titels mit allen kleinen Makeln und Schwierigkeiten. Freundlicherweise wurde auf ein Passwort System, zugunsten eines Speicherplatzes, verzichtet. Davon abgesehen ist das Spiel genau wie man es in Erinnerung hat: Ein Prince of Persia Klon mit neuem Setting und, für damalige Verhältnisse, revolutionärer Grafik. Die Spielmechanik baut sich aus Plattform Segmenten, Beschaffungsaufgaben, sehr unaufgeregten Aktionsequenzen und einer Prise Rätseleinlagen zusammen.
Das Spiel funktioniert auch Heute noch. Was allerdings auffällt ist der behäbige Spielfluss. Die Eingaben basieren weniger auf Reflexen sondern vielmehr auf ruhiges abrufen gelernter Abläufe. Man plant seinen Weg durch die einzelnen Bildschirmabschnitte und führt diesen Plan dann durch. Es liegt eine Eleganz in dieser ruhigen Herangehensweise, die man heutzutage nur selten findet. Dennoch kann dies auf den unvorbelasteten Neukunden irritierend bis langweilig wirken. Besonders wenn man die Fallen innerhalb der Level in Betracht zieht, welche nicht selten zum sofortigen Ableben führen.
Der moderne Modus versucht dort zu intervenieren indem er dem Spieler ein Tutorial und die Möglichkeit des „Zurückspulens“ gibt. Leider sorgt besonders das Zurückspulen dafür, dass das Spiel nun plötzlich zu einfach wird. Es empfiehlt sich also die klassische Variante, allerdings nur für Veteranen, da Neulinge hier nicht besonders herzlich begrüßt werden. Du siehst, werter Leser, dass weder Option A, noch Option B, eine perfekte Lösung anbieten. Flashback wird dich alles in allem nicht länger als 5 bis 7 Stunden beschäftigen. Der Wiederspielwert außerhalb von nostalgischer Zuneigung ist praktisch nicht existent.

Fazit

Das Schreiben des Tests tat mir beinahe körperlich weh. Ich bin die personifizierte Zielgruppe für ein Flashback Remaster, und doch macht mir das Spielen dieses Titels schmerzlich bewusst, dass das Spiel diese Liebe nur bedingt verdient. Dennoch würde ich Fans den Kauf empfehlen, allerdings nicht die Special Edition und für maximal 15 Euro. Neugierige Spieler mit Interesse an Videospiel Geschichte sollten ebenfalls zugreifen… aber nicht für mehr als 15 Euro. Gerne hätte ich eine angemessene und liebevolle Aufarbeitung des Titels gesehen, weil Flashback seiner Zeit hohe Wellen geschlagen hatte. Was bleibt ist ein fader Nachgeschmack und eine sehr kostspielige Brotdose für Knäckebrot.
Teile.

Übern den Autor

Tim

Geboren 1983, verursachte Tim, kurz nach der Geburt, den Videospielcrash. Vertrug sich allerdings 4 Jahre später mit der Branche und entschied sich fernerhin sein Leben mit ihr zu Teilen. Es gibt zwar manchmal Streit aber wenigstens dem gemeinsamen Kind geht es gut, auch wenn es den Keller nie verlässt.

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