Fördern Hakenkreuze die Spielekultur? – Ein Kommentar

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Seit August 2018 darf die USK die Sozialadäquanzklausel des §86a Abs. 3 des Strafgesetzbuches in ihren Prüfverfahren berücksichtigen. Das bedeutet, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Darstellung verfassungsfeindlicher Symbolik (in erster Linie geht es dabei um das Hakenkreuz als Symbol des Nationalsozialismus) in Computer- und Videospielen fortan zulässig ist. Besagte Klausel findet längst für Kunst, Literatur und Filme Anwendung. Lediglich die Computer- und Videospiele waren hier bislang außen vor und förderten dadurch seltsame, bizarre, groteske, amüsante, aber mitunter auch bedenkliche Zensuren zutage. Seither lese ich immer wieder die Frage, warum Videospiele durch diese Änderung der Auslegung des besagten Paragraphen jetzt auf einmal erwachsen(er) werden, nur weil Hakenkreuze nun potentiell in diesen dargestellt werden dürfen. Manch einer hält dies sogar für bedenklich.

Aus meiner Sicht werden Computer- und Videospiele nicht durch die bloße Darstellung der verfassungsfeindlichen Symbolik »erwachsen«, sondern vielmehr deshalb, weil diese ab sofort auch in Deutschland nicht mehr die Geschichte leugnen müssen. Wie zuletzt in »Wolfenstein II« geschehen, wo Bethesda wohl aus Gründen der Kohärenz nicht nur Herrn Hitlers… pardon… Heilers Bärtchen wegrationalisierte, sondern auch eben mal die Juden sowie den Holocaust. Das halte ich persönlich für äußerst bedenklich und im Sinne der Aufklärung sowie Auseinandersetzung in höchstem Maße kontraproduktiv. Schließlich porträtiert »Wolfenstein II«, wenn auch in einem fiktiven Szenario, den Nationalsozialismus sowie dessen Anhänger alles andere als positiv. In diesem Kontext möchte ich George Santayana (1863-1952) zitieren: »Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.«

Wenn ich mir ansehe, wie es heutzutage um das Wissen vieler junger Menschen über den zweiten Weltkrieg sowie die Geschichte im Allgemeinen bestellt ist, diese aber natürlich fleißig Medien (und damit einhergehend auch Games wie Wolfenstein) konsumieren, dann sollte auch aus diesem Aspekt heraus die Rede von Hitler, Nationalsozialisten, den Juden sowie dem Holocaust in einem Spiel sein, dass sich mit deren Gräuel beschäftigt. Ob nun fiktiv oder real. Ganz zu schweigen davon, dass dies in Kunst, Literatur und Film wie gesagt längst Usus ist.

Last but not least halte ich darüber hinaus fest: Ja, insbesondere als Kenner der Geschichte ist es eben nicht gleichgültig, ob ich nun Handlanger des »Regimes« mit Palme auf der Uniform oder eben »echte« Nazis mitsamt Hakenkreuzsymbolik in einem »Wolfenstein II« umlege. Ersteres stört meines Erachtens ganz massiv die Atmosphäre und Authentizität, weil ich eben ganz genau weiß, dass hier eigentlich die Nazis gemeint sind. Daher halte ich es definitiv für eine gute Sache, dass Nazisymbolik nun auch in Deutschland in Videospielen dargestellt werden darf. Selbstverständlich nur, wenn das Spiel den Nationalsozialismus nicht verherrlicht oder glorifiziert, sondern als das darstellt, was er nun einmal ist: Einen der größten Schandflecke der Menschheitsgeschichte.

Teile.

Übern den Autor

Alessandro

Gamer. Geek. Minimalist. Seine größte Leidenschaft wurde auf 8-Bit-Konsolen entfacht und ist bis heute ungebrochen. Liebt unkonventionelle Titel abseits des Mainstreams ebenso wie AAA-Blockbuster.

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