Hollow Knight – Eine Empfehlung (Switch)

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +

Hollow Knight, von dem 2-Mann Unternehmen „Team Cherry“, ist auf dem PC vom Geheimtipp zum Kult Titel avanciert. Bemerkenswert hierbei ist die Kürze dieses Prozesses. Innerhalb eines Jahres hat Hollow Knight sich in die Herzen einer treuen Fangemeinde gekämpft. Es kommt also nicht von ungefähr, dass sich der kleine Käfer schon seit Wochen in den Switch Verkaufscharts festgebissen hat. Ob sich der Kauf lohnt, steht außer Frage. Ob sich der Kauf aber für dich lohnt, werter Leser, erfährst du in der folgenden Lobpreisung von Hollow Knight.

Handlung/Präsentation

In Heilandsnest, dem Land des Königs, trifft ein fremder, mit einem Nagel bewaffneter, Käfer ein. Dies ist nichts Besonderes, schließlich zieht Heilandsnest seit seinem Niedergang immer wieder Abenteurer auf der Suche nach Relikten und Schätzen an. Schon viele stiegen hinab in die dumpfe Finsternis unter der Erde, um danach nie wieder empor zu krabbeln. Was diesen Nagelträger von Anderen unterscheidet, ist der geradezu zwanghafte Wille zum Überleben. Das Spiel beginnt, nach einem kurzen Tutorial, im Dorf Mistmund. Dort erfahren wir vom letzten verbliebenen Bürger vom Brunnen der Stadt, welcher alle Bürger durch hypnotisches Flüstern in die feuchten Tiefen lockte. Einmal hinab geklettert, raubte das Grauen, dass die Erde von Heilandsnest vergiftet hat, jedem Käfer seinen Verstand. Auch wir hören den Ruf und folgen ihm, scheitern werden wir nicht, egal was es kostet.

Hollow Knight erzählt ein dunkles Fantasy Märchen. In einer asymmetrischen Erzählung erarbeiten wir uns durch Gespräche und die Szenerien ein Verständnis für das, was in Heilandsnest passiert ist. Es mag keine revolutionäre Geschichte sein, sie ist allerdings so stimmig und straff gesponnen, dass man sich auf der Jagd nach der Wahrheit schnell in einem Netz aus Legenden und Wirklichkeit wieder findet. In Kombination mit einem düsteren, ätherischen Soundtrack entwickelt Hollow Knight eine klaustrophobische Sogwirkung auf den Spieler.

Immer tiefer dringen wir in eine fremde, von erhabenen Wesen verlassene, Welt vor. Die Finsternis wird dichter, während der Soundtrack dumpf und schwerfällig dahin fließt. Das ein 2D Titel mit einem eher einfachen Stil so etwas vollbringt, ist bemerkenswert und wunderbar. Genau wie der namenlose Held werden auch wir immer näher an den Abgrund gezogen, unfähig zu erkennen, das unser nächster Schritt bereits die Kante einer Schlucht passiert und uns in wenigen Momenten trudelnd in die Schwärze stürzen wird.

Heilandsnest ist ein großartiges Setting voller verschiedener Facetten. Manche einladend und warm, andere schwarz und einsam. Tödlich jedoch sind sie alle. Wunderbar eingeflochten wurde die räumliche Wirklichkeit der einzelnen Abschnitte. So herrscht in der Stadt der Tränen dauerhafter Regen, verursacht von einem See oberhalb der Metropole. Die Abschnitte interagieren auf subtile Art miteinander und erzeugen somit eine schlüssige Immersion. Das Spiel, welches wie ein unschuldiges, kleines Indie Projekt wirkt, entpuppt sich schnell als eine 30-stündige Odyssee gegen zyklopische Widerstände. Der Umfang überraschte mich. Immer wieder dachte ich: „Endspurt. Gleich geschafft“. Nur um einen düsteren Schacht zu entdecken der mich tiefer hinabführte.

Hollow Knight ist, trotz manch kleinem Bug (wie zum Beispiel einem Softwarecrash, wenn man in der Arena innerhalb einer Drehattacke mit Stacheln am Boden in Kontakt kommt), ein wunderschönes Stück Software. Ein wahres Herzblutwerk. Man spürt die Detailverliebtheit der Entwickler und der Titel sprüht vor Atmosphäre. Einziger Wermutstropfen ist die Reaktion auf einen Treffer. Hierbei wird die Musik dumpf, während zeitgleich ein Lichtblitz aufflammt. Dies verdeutlicht zwar hervorragend die Wucht eines Treffers, verwirrt allerdings etwas zu sehr und macht eine Neuordnung teilweise etwas zu schwer.

Gameplay

Hollow Knight auf der Switch beinhaltet alle aktuellen DLCs und wird auch noch in naher Zukunft mit einem weiteren kostenfreien AddOn versüßt. Neben diversen Optionen, welche sich aus den üblichen Verdächtigen zusammensetzen, bietet das Hauptmenü eine Inhaltsübersicht und vier Speicherplätze.

Weil dies alles wenig interessant ist, betrachten wir doch einmal gemeinsam das eigentliche Spiel. Hollow Knight ist ein moderner Metroid Klon. Im Laufe des Spiels erhalten wir neue Fähigkeiten, um neue Level zu bereisen oder alte Level weiter zu erforschen. BlaBlaBla. Hast du alles schon mal gehört, werter Leser. Das die Steuerung straff und akkurat ist, muss ich dir auch nicht sagen. Warum sonst sollte ich begeistert sein von dem Titel? Etwa weil die Steuerung die Präzision einer durchgekochten Nudel auf einem Plattenteller hat? Nein. Was Hollow Knight zu etwas Besonderem macht, sind nicht die Plattform Segmente oder die Bosskämpfe.

Auch das befriedigende Upgrade und Progressionssystem sind es nicht. Es ist diese geradezu alchemisch perfekte Mischung der einzelnen Komponenten. Wo ein Metroid im Bereich der Handlung lahmt, setzt Hollow Knight Akzente durch tiefe und herausfordernde Erzählstrukturen. Wo ein „Symphony of the Night“ im Leveldesign im späteren Verlauf stolpert, galoppiert Hollow Knight bis zum Schluss in Höchstgeschwindigkeit. Wo einem Steamworld Dig 2 nach 4 Stunden die Inhalte ausgehen, fängt ein Hollow Knight erst an Fahrt aufzunehmen. Sei es in brutal harten Plattform Bereichen oder in knochenknirschenden Bosskämpfen.

Hollow Knight ist ein schweres Spiel. Allerdings gibt es uns die Möglichkeit wirklich schwere Kämpfe aufzuschieben. Sollten wir uns in einem Bereich die Zähne ausbeissen, können wir woanders vielleicht glänzen. Vielleicht finden wir einen von über vierzig Talismanen, welche uns unterschiedliche Vorzüge bringen. Womöglich können wir auch einen seltenen Talisman Sockel ergattern, um unser Arsenal zu erweitern. Sollte das auch nicht reichen, jagen wir Magie- und Lebensfragmenten hinterher um uns robuster zu machen. Oder wir suchen einen Schmied oder Magier, welcher unsere offensiv Maßnahmen verbessern. Nebenbei lesen wir die Landeswährung Geo vom Boden auf und kaufen uns vielleicht eine Karte samt Feder, um endlich die Kanalisation zu kartografieren. Das Spiel bietet uns viele Wege, ohne das diese jemals in Sackgassen enden. Jeder Fortschritt bringt uns dem wahren Ende unserer Reise näher.

Das bereits erwähnte Kartensystem ist übrigens interessant, weil es mehrere Aspekte hat. So besitzen wir anfangs überhaupt keine Karte. Erst wenn wir einem Kartografen sein Werk abkaufen, haben wir einen ersten Schritt getan. Allerdings bringt ein Stück Karte nichts ohne ein Schreibutensil. Glücklicherweise verkauft die Frau des Kartografen Federn zu einem Spottpreis. Nun haben wir also eine Karte mitsamt bereits besuchter Orte in den Klauen. Dummerweise wissen wir aber nicht, wo auf dieser Karte wir uns genau befinden. Da hilft das Kompass-Amulett! Zu einem geringen Selbstkostenpreis versteht sich. Die Jagd nach der idealen Karte ist da aber noch lange nicht vorbei. Was sich nervtötend anhört, zeigt sich im Spiel als äußerst befriedigende Metaebene. Das Spiel fährt eine sehr kluge Risiko/Belohnungs Schiene und hält den Spieler so in Bewegung, ohne ihn zu belästigen.

Dieses Vorgehen zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Hier kommt also nun die Einschränkung in der Kaufempfehlung: Sollte dich so was auf das Äußerste nerven, deine Geduldsspanne und Frustresistenz eher gering sein, oder dich harte Spiele abschrecken, solltest du dir die 15 Euro für Hollow Knight sparen.

Fazit

Im vergangenen Jahr hörte ich des Öfteren von Hollow Knight. Interessant wurde es, als manch einer das Spiel zum Game of the Year erklärte. Ich möchte es einmal so ausdrücken: Hätte Hollow Knight ein breites Publikum erreicht, wäre es locker in den Top 5 gelandet. Wir haben hier ein kleines Wunder. Ein Indie Titel von zwei Menschen, der in Ausführung, Reichweite und Ambitionen jedem AAA Titel gehörig die Meinung sagen könnte. Was hier an Fülle geboten wird, im Zusammenspiel mit Charme, ist außergewöhnlich. Sollte man dem Genre nicht abgeneigt sein, muss man Hollow Knight eine Chance geben. Dies wird ein Titel, der in Zukunft noch als Referenz gelten wird. Ein fantastisches Spiel.

Teile.

Übern den Autor

Tim

Geboren 1983, verursachte Tim, kurz nach der Geburt, den Videospielcrash. Vertrug sich allerdings 4 Jahre später mit der Branche und entschied sich fernerhin sein Leben mit ihr zu Teilen. Es gibt zwar manchmal Streit aber wenigstens dem gemeinsamen Kind geht es gut, auch wenn es den Keller nie verlässt.

Kommentieren