Hyrule Warriors: Definitive Edition – Test (Switch)

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Nintendo verwurstet weiterhin fröhlich Wii U-Hits, welche auf der erfolglosen Tablet-Konsole nicht den verdienten Ruhm (lies: kommerziellen Erfolg) geerntet haben. Nach Mario Kart 8, Bayonetta und Donkey Kong Country: Tropical Freeze schlägt nun also das actionreiche Zelda Spin-off Hyrule Warriors der Dynasty Warriors-Macher auf Nintendo’s erfolgreicher Hybridkonsole auf. Interessierte erwartet mit dem Switch-Ableger die »Definitive Edition«, welche sämtliche (DLC-)Inhalte der Wii U- und 3DS-Versionen enthält. Obendrein gibt es eine schickere Grafik nebst verbesserter Performance und ein paar inhaltliche Neuerungen. All das verspricht hunderte Stunden Beschäftigung. Doch heißt das angesichts des berüchtigten, monotonen Dynasty Warriors-Gameplays auch Spielspaß?

Fanservice vom Feinsten

Der Story-Modus der Action-Schlachtplatte versucht mehr oder weniger schlüssig zu erklären, weshalb in Hyrule Warriors die 29 spielbaren Charaktere aus sämtlichen Serienablegern und damit aus unterschiedlichsten Epochen zur selben Zeit am selben Ort aufeinandertreffen. In diesem fast schon überwältigenden Ensemble finden sich aber sogar ein paar eigens für das Spin-off kreierte Figuren wie die zierliche Magierin Lana.

Das ändert jedoch nichts an der belanglosen Hintergrundgeschichte, welche den Schlachten über eine Spielzeit von 20-25 Stunden zumindest ein wenig Kontext liefern soll. Fans freuen sich vielmehr darauf, mit ihren Favoriten der Serie ganze Hunderschaften an Feinden in Hyrule platthauen zu dürfen – sei es mit Link (jetzt sogar als weibliche Version »Linkle«), Zelda, Impa, Tinkle oder gar in der Haut von Fieslingen wie Ganondorf oder Zanto. Jeder Charakter verfügt über ein eigenes Move-Set nebst Spezialattacken und lässt sich stetig aufleveln. Das Highlight des Spiels ist jedoch viel weniger der Story-, sondern vielmehr der Abenteuermodus – doch dazu später mehr.

Monotonie regiert

Egal welche IP zugrundeliegt oder welchen Spielmodus ihr wählt, das Gameplay eines »Warriors«-Titels läuft immer nach Schema F ab: Ihr steuert einen Helden, welcher sich zahllosen, feindlichen Soldaten gegenüber sieht, welche von einem wirklich ernst zu nehmenden General angeführt werden. Das Spielfeld ist frei begehbar, bietet aber stets mehrere einzunehmende Stützpunkte, welche von besagten Generälen nebst Schergen gehalten werden. Habt ihr Ersteren geplättet, weht fortan euer Banner statt dem Feindlichen an Ort und Stelle. Nach diesem Prinzip erobert ihr Schlachtfeld um Schlachtfeld.

Ab und an platzt auch mal ein richtig fieser Obermotz ins Scharmützel. Zelda-Fans freuen sich, Dodongo, Ganondorf oder dem Verbannten, um nur einige zu nennen, die Kauleiste polieren zu dürfen. Die Entwickler gingen mit viel Liebe zum Detail vor: Dodongo will also mit Bomben gefüttert werden, während ihr diesen und andere Widersacher nicht nur mit Schwert und Magie, sondern auch mit Pfeil und Bogen, Bumerang oder Bomben beharkt. Sogar der Enterhaken findet sich im Repertoire und darf ab und an auch in der Spielwelt zum Einsatz kommen.

Anfangs sorgen die effektgeladenen Gefechte noch für ordentlich Kurzweil, doch nach ein paar Stunden dürfte auch der letzte gemerkt haben, dass sich am eintönigen Gameplay grundsätzlich nicht viel ändert. Das wissen scheinbar auch die Entwickler, denn für den vorhin bereits erwähnten Abenteuermodus haben sie sich dann doch ein paar Modifikationen einfallen lassen, um für Abwechslung zu sorgen. Dort erwarten euch dann auch mal so kuriose Jahrmarktspielchen wie Quizduelle, wer am schnellsten Rubine erbeuten kann oder das Original unter zahlreichen Doppelgängern ausfindig zu machen.

Das ändert wie gesagt freilich nichts am ansonsten monotonen Spielablauf, lockert diesen aber wenigstens hin und wieder auf. Wer also grundsätzlich nichts mit Warriors-Spielen oder eintönigem, grindlastigen Gameplay anfangen kann, lässt trotz Zelda-Stempel lieber die Finger von Hyrule Warriors. Alle anderen dürfen sich auf hunderte Stunden eingängigen, unkomplizierten Spielspaß freuen. Besonders kurzweilig ist das Ganze auch im Koop-Modus, welcher sich lokal auf einer Switch-Konsole sowohl im TV- als auch Tisch-Modus spielen lässt. Zu zweit macht die Klopperei sprichwörtlich doppelt so viel Spaß.

Endlose Abenteuer

Der Abenteuermodus streut nicht nur besagte Modifikatoren ins Gameplay ein, sondern erstreckt sich auch über neun gewaltige Karten, welche thematisch vergangenen Zelda-Abenteuern nachempfunden sind. Die erste Abenteuerkarte entspricht sogar 1:1 der Spielwelt von The Legend of Zelda für das NES. Unterteilt ist jede Karte in Felder, wobei jedes davon eine Schlacht darstellt. Geht ihr aus solch einer Auseinandersetzung erfolgreich hervor, gibt es gern auch mal bekannte Items der Serie als Belohnung. Mit diesen könnt ihr woanders auf der Karte dann unter anderem versteckte Pfade freilegen. Dabei haben die Entwickler auch an charmante Details gedacht: Die Geheimnisse auf der Karte zum ursprünglichen Zelda befinden sich an exakt derselben Stelle wie im Original. Auf der Termina-Karte zu Majora’s Mask hingegen kämpft ihr mit demselben Ultimatum wie in der Vorlage: Ein fies drein grinsender Mond droht binnen drei Tagen die Karte in Schutt und Asche zu legen.

Insbesondere im Abenteuermodus macht sich das massive Grinding negativ bemerkbar, wo doch das Gameplay ohnehin schon monoton genug ist. Ihr könnt nämlich alle 29 Charaktere, wie weiter oben bereits erwähnt, aufleveln. Das geschieht durch in den Kämpfen erlangte Materialien sowie eure verdienten Rupien. Um genügend für ein Upgrade zusammenzukratzen seid ihr jedoch extrem lange beschäftigt. Immerhin: In der Definitive Edition könnt ihr Item-Karten kaufen, welche das Grindfest wenigstens etwas abschwächen. Extrem schade ist, dass es dabei keinerlei Unterschiede zwischen den Charakteren gibt. Die Verbesserungen sind über das ganze Roster verteilt identisch. Repetitiver geht es beinah schon nicht mehr.

Ein Lichtblick: Im Story- und Abenteuermodus könnt ihr Herzteile wie -container oder goldene Skulltulas entdecken sowie manch anderen Sammelgegenstand. Das sorgt zumindest für etwas Langzeitmotivation. Neu hinzugekommen sind außerdem die Feen, welche sich durch ein magisches Element auszeichnen und euch Vorteile im Kampf verschaffen. Mit Nahrung und Kostümen könnt ihr deren Effekte weiter verstärken.

Dezent verbessert

Im Vergleich zur Wii U- und 3DS-Version erhalten Käufer der Definitive Edition für Switch einige Verbesserungen hinsichtlich Komfort und Technik. Zunächst einmal läuft das Spiel statt in 720p jetzt in knackscharfen 1080p. Leider kurioserweise auch im Handheldmodus, wo das Spiel dann wiederum auf 720p herunterskaliert wird. Da die Leistung der Switch hier im Vergleich zum TV-Modus bestenfalls halbiert ist, bricht die Framerate regelmäßig ein.

Apropos Framerate: Im TV-Modus ist diese deutlich höher als noch auf Wii U, konstant bleibt sie allerdings selten. Dafür gibt es ein paar mehr Details, eine höhere Sichtweite und etwas schärfere Texturen. Neu sind auch die auf den Schlachtfeldern verteilten Eulenstatuen, welche euch als Schnellreisepunkte dienen. Für deutlich mehr Komfort sorgt auch, dass ihr nun jederzeit zwischen den Charakteren in Echtzeit wechseln dürft und euren von der CPU kontrollierten Gefährten auch Befehle erteilen könnt.

Fazit

Hyrule Warriors ist ein spielbarer, feuchter Traum für alle Hardcore-Zelda-Fans! Mehr Fanservice in einem Spiel geht beinah nicht. An allen Ecken und Enden zaubern die Entwickler eingefleischten Hyrule-Anhängern ein breites Grinsen aufs Gesicht. Der Story-Modus weiß zu unterhalten, doch ebenso wie der Abenteuermodus ist er lediglich für zwischendurch geeignet. Dafür ist das Gameplay mit dem immer gleichen Ablauf, Modifikatoren hin oder her, zu eintönig.

Das (leicht entschärfte) Grindfest zum Aufleveln der Charaktere tut sein übriges dazu bei. Wen das allerdings nicht stört, der kann sich hunderte von Stunden in der Welt von Hyrule (Warriors) beschäftigen. Kaum ein Spiel lässt sich entspannter neben einer anderen Aktivität wie Fernsehen zocken. Die technischen Verbesserungen und wenigen, inhaltlichen Neuerungen rechtfertigen für Besitzer der Wii U- oder 3DS-Version keinen Neukauf, doch alle anderen sollten wenigstens mal einen Blick riskieren. Ich selbst kann mit der Warriors-Reihe nichts anfangen, doch Hyrule Warriors vermochte es dennoch, mich lange an den Bildschirm zu fesseln.

Hyrule Warriors: Definitive Edition (Switch), Nintendo/Koei Tecmo, 60 Euro, bereits erhältlich*

* Amazon Affiliate Link

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Übern den Autor

Alessandro

Gamer. Geek. Minimalist. Seine größte Leidenschaft wurde auf 8bit-Konsolen entfacht und ist bis heute ungebrochen. Liebt unkonventionelle Titel abseits des Mainstreams ebenso wie AAA-Blockbuster.

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