Leben ohne Tutorial – Dauerbrenner, wie Stress die Seele grillt

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Kaum hat man sich durch den aktuellen Kracher durchgekämpft, naht auch schon die nächste Herausforderung. Es lockt die stete Versuchung des Neuen. Es wäre vielleicht an der Zeit, sich zu entschleunigen.

Der Gruppenzwang in Videospielen ist ähnlich ausgeprägt wie in der Film- und Serienlandschaft. Will man mitreden können, muss man Geld in die Hand nehmen oder große Teile seiner Freizeit vor dem Fernseher verbringen. Unermüdlich lockt neue Technik, neues Konzept oder neue Effekte. Diese ständige Erneuerung kann selbstverschuldeten Stress verursachen und schlimmstenfalls zu einem Mikro-Burnout führen. Weil sowas unerwünscht ist, gilt es Maßnahmen zu treffen.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Ein Mittel gegen diesen Druck von außen liegt im Meiden gewisser Formate. Podcasts, YouTube oder News Outlets sind die Top-Verdächtigen, wenn es um die Erzeugung von Kaufzwängen geht. Durch eine Distanzierung von diesen Inhalten kann man sich etwas Freiraum verschaffen. Was soll man aber mit diesem Freiraum anfangen? Ein Sofa reinstellen plus Beistelltisch und Blumenvase? Der Freiraum muss genutzt werden, aber wofür? Warum nicht die letzten Jahre nachholen? Durch Hype und Dauerbestrahlung kann der Eindruck entstehen, dass alles was älter als eine Woche ist bedeutungslos sei und stinkt. Eine Fehleinschätzung.

2018 gibt uns einen wunderbaren Anreiz dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die schiere Masse an guten Titeln ist in spärlichen 12 Monaten kaum zu bewältigen. Einfach mal entschleunigen, die asozialen Medien abschalten und entspannen. Da schaltet man das Licht aus, nimmt sich etwas alkoholisches und dreht den Geräuschpegel auf Richterskala 10, während man einige Runden in »Rocket League« oder »Doom« verbringt. Man kann sich natürlich auch in einen Singleplayer-Titel vertiefen. »Hellblade«, »Wolfenstein«, »Resident Evil« oder »Zelda« laden zu ausgiebigen Sessions ein.

Neue Achtsamkeit für Gamer?

Der Trick ist, sich bewusst Zeit zu lassen. Einfach mal die In-Game-Dokumente lesen, statt sie nur zu überfliegen. Den NPCs in Ruhe lauschen bis sich die Dialoge wiederholen. Alles tun, ohne Stress und Hektik. Das ist tatsächlich schwerer als es klingt, weil wir durch die schnelle Folge von Veröffentlichungen langsam aber sicher zum Verschlingen erzogen werden. Dem sollte man ganz konsequent entgegentreten und fokussiert das Medium konsumieren. Zum Teil entfalten Spiele auch ihren ganzen Charme erst nach dem dritten Durchspielen.

Man denke an das Inhaltspotential eines »Dark Souls«, »Resident Evils« oder »Skyrims«. Ganz zu schweigen von »Nier: Automata«. Es liegt eine Wahrheit in dem Ausspruch »Eile mit Weile«. Viele der Titel unserer Jugend haben wir immer wieder durchgespielt, haben damit ein emotionales Fundament gelegt und darauf das Haus unserer Nostalgie gebaut. Dies ist heute noch ebenso möglich, aber wir haben uns die Zeit wegnehmen lassen. Allerdings war dazu kein grauer Mann mit Zigarre nötig, sondern nur unser eigenes Streben nach Stress.

Ich habe mich gefragt, welchen guten Vorsatz ich dieses Jahr breche und kam zu dem Schluss, dass ich womöglich versuchen sollte wenigstens mal einen durchzuhalten. Also nehme ich mir mehr Zeit, betreibe meditatives Zocken, wenn Ihr so wollt, und komme mal ein bisschen weg von dem Stürmen und Drängen. Ich wollte auch weniger rauchen, aber was sollte das bringen?

Wie zockt Ihr eigentlich und wieviel Titel bringt Ihr in einem Jahr durch? Würde mich mal interessieren.

Teile.

Übern den Autor

Tim

Geboren 1983, verursachte Tim, kurz nach der Geburt, den Videospielcrash. Vertrug sich allerdings 4 Jahre später mit der Branche und entschied sich fernerhin sein Leben mit ihr zu Teilen. Es gibt zwar manchmal Streit aber wenigstens dem gemeinsamen Kind geht es gut, auch wenn es den Keller nie verlässt.

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