Life Is Strange 2: Episode 1 – Roads – Test (PS4)

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Seit 2015 hat uns Square Enix mit den beiden Ablegern der außergewöhnlichen Spielereihe spannende Geschichten präsentiert. Geschichten, welche den Spieler mit einer zunächst ruhigen sowie nachdenklichen, mitunter jedoch auch oft düsteren Perspektive konfrontierten. Life is Strange führt dem Spieler direkt vor Augen, wie merkwürdig und wundersam das Leben sein kann. Ganz im Wortsinne des Spieletitels.

Mit Square Enix und Dontnod starten wir nach der Geschichte von Max Caulfield und Arcadia Bay nun in ein neues Abenteuer. Wir haben die erste Episode angespielt und stellen euch unsere Highlights vor.

Mehr als nur eine Perspektive?

Spiele wie Life is Strange, welche sehr dialog- und textlastig sind, sowie mit einem eher simplen Gameplay aufwarten, gibt es einige. Dabei kann der Spieler in der Rolle des Protagonisten selbst entscheiden, welche Antworten der Charakter gibt oder wie er als nächstes vorgehen soll. Diese Art des Gameplay und der Steuerung war bis zur Schließung vor einigen Wochen auch das Markenzeichen des Studios »Telltale«. Life is Strange hat sich zwar am selben Prinzip bedient, es jedoch noch erweitert. In einigen Belangen sogar verbessert.

Obwohl wir die Geschichte nie aus der reinen Ego-Perspektive wahrnehmen, wird uns in der ersten Episode ein Charakter vorgestellt, der größtenteils auch unabhängig vom Geschlecht ein hohes Potential zur Identifikation in sich birgt. Wenn wir uns etwas Zeit und Ruhe für das Spiel nehmen, kann es durch die mit Musik untermalte Atmosphäre passieren, dass wir das Spiel nicht nur aus Seans Perspektive wahrnehmen. Stattdessen tauchen wir viel tiefer ins Spielgeschehen ein und die Emotionen sowie Gefühle rücken dadurch auch näher an uns als Spieler heran. Natürlich gibt es Grenzen der Adaption, beispielsweise durch die Familienkonstellation. Allerdings stellt das Spiel bestimmte Ereignisse oder Geschehnisse so dar, wie sie sich in leicht abgewandelter Form häufig tatsächlich abspielen könnten.

In einigen Kritiken wurde dies mit einer gewissen Vorhersehbarkeit verknüpft. Tatsächlich führt die Art der Beziehungen der Charaktere zueinander aber eher dazu, dass sich ein breites Publikum angesprochen fühlen kann. Trotz der Berührung mit dem Übernatürlichen bietet die erste Episode daher eine Reihe von facettenreichen Charakteren, in die wir uns gut hineinversetzen konnten und ihre Situation sehr schnell gut nachvollziehen konnte.

Das Düstere und das Schöne

Neben den starken Charakteren und der Darstellung derer Beziehungen, ist das Hauptmerkmal der ersten Episode die Gedanken und Themen, die das Spiel an den Spieler heranträgt. Schon im ersten Teil hatte sich Square Enix nicht gescheut, düstere Themen wie Missbrauch und Tod anzusprechen. Vielleicht auch aus dem Grund, weil wir uns mit beidem in der Realität immer wieder konfrontiert sehen. Auch in der Geschichte von Sean und Daniel spielt das Thema Tod eine Rolle, jedoch wird durch den 9-jährigen Daniel die Perspektive von Kindern auf den Tod stärker in den Fokus gerückt. Neben der Beziehung zwischen Brüdern wird also auch das Trauma, dass zwischen den Beiden steht, Teil der Handlung. So wird der ältere Bruder bald schon vor eine Reihe von Problemen gestellt.

Das Spiel schafft es, Themen einen Spielraum zu geben, die sonst tabuisiert werden. Trotzdem zeichnet es ein realistisches Bild von der Lebenswelt zweier Brüder in den vereinigten Staaten, welche als Kinder mexikanischer Abstammung mit einer Reihe von Vorurteilen und damit verknüpften Konflikten konfrontiert werden. Die Lebenswelt der Heranwachsenden spielt hier in der Geschichte eine große Rolle und wird gekonnt durch verbale, nonverbale oder stille Monologe in den Gedanken der Protagonisten widergespiegelt.

»Roads« erzählt dabei also eine Geschichte und lässt den Spieler die Entscheidungen treffen, bringt dabei fast im Vorbeilaufen jedoch noch so viel Anderes mit sich, dass durch genaues Hinsehen oder konzentriertes Hinhören entdeckt werden kann.

Alles ist politisch?

Auch wenn viele Elemente so wirken, als wäre es ein altes Konzept, das auf eine neue Erzählung übertragen wurde – einen neuen Schritt haben die Entwickler mit dem Spiel dennoch gewagt: die politische Perspektive von Lebensgeschichten wird in das Spielerlebnis eingeflochten. So geht es durchaus um die übernatürlichen Kräfte von Daniel und wie sich die Beziehung der Brüder entwickelt. Darüber hinaus ist es aber eben auch die Geschichte zweier Kinder, deren Eltern mexikanischer Herkunft sind und die in der Nachbarschaft und in ihrem Umfeld nicht immer willkommen zu sein scheinen.

Der Blogger Brody, welchen die beiden Brüder auf ihrer Reise treffen, erklärt dabei fast schon auf einer Metaebene, warum sich die Entwickler für diesen Schritt entschieden: Als Brody die Jungs in seinem Auto mitnimmt, erklärt ihm Sean, dass er mit Politik und den Gedanken der Menschen, die Angst vor ihm haben, nichts zu tun haben will. Er würde nicht politisch denken. Darauf entgegnet ihm Brody nur, dass alles politisch ist und man sich dessen auch nicht vollkommen entziehen kann. Deswegen, so erklärt er, ist es wichtig, sich lieber direkt damit auseiander zusetzen. Damit fasst er für den Spieler gut zusammen, warum dieser sich auf einmal in einem Videospiel mit politischen Themen auseinandersetzen muss.

Nicht nur eine Reise durch die Wälder Washingtons

Die erste Folge von Life is Strange 2 unterscheidet sich in einem Punkt des Weiteren sehr stark von ihren Vorgängern: Das Publikum weiß, wie weit die Entwickler thematisch abtauchen können, wie düster die Abgründe der Seelen seien können, die im Spiel gezeigt werden. Deswegen genossen wir beim ersten Begutachten der neuen Geschichte die Harmonie und den Einklang der kleinen Drei-Personen Familie mit Vorsicht. Wissen wir doch, dass die Wärme der Familie schnell zu einer faden Erinnerung verwandelt werden kann.

Einerseits könnten wir dies als Schwäche betrachten, da das Spiel etwas vorhersehbarer wird, als der erste Teil. Andererseits bindet das Spiel einen im ersten Abschnitt der ersten Episode direkt wieder an die neuen Charaktere und lässt bei den Vorbereitungen auf Halloween die Konzentration wirklich komplett auf der Beziehung von Sean und seinem Highschool-Schwarm Jenn ruhen. Nur, um den Spieler in dem Moment mit Gefühlen und Ereignisse zu konfrontieren, wenn er gerade aus der Deckung gelockt wurde.

Es bleibt die Hoffnung, dass mit Life is Strange 2 immer neue und abwechslungsreiche Geschichten angerissen werden und nicht wie bei Telltale ein Konzept ausgeschlachtet wird. Im Gegensatz zu dem gerade geschlossenen Entwicklerstudio hat es das Life is Strange-Team von Square Enix geradezu perfektioniert dem Spieler eine Vielfältige und spannende Spielwelt zu präsentieren, in der eben nicht nur Dialoge abgehandelt werden. Sondern eine Welt zu erschaffen, in der sich Eigenschaften von Charakteren genauso abzeichnen wie frühere Handlungsstränge oder die Beziehungsnetze zwischen den Charakteren. Dies zeigt sich auch in der ersten Episode des neuen Abenteuers.

Teile.

Übern den Autor

Josy

Seit Sie im Urlaub mit 3 Jahren den Gameboy ihres Papas in die Hand genommen hat, sind die Videospiele nicht mehr von ihrer Seite gewichen. Am liebsten zockt sie jetzt jedoch Konsole und hat unzählige Stunden mit Shootern wie Halo oder Open-World-Spielen verbracht.

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