3DS

Luigis Mansion – Test (3DS)

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Die Folgen einer mangelhaften Internetsicherheit können viele Auswüchse haben. In Luigis Fall handelt es sich nicht um das neueste Apple Produkt, sondern um eine Villa irgendwo in Transsylvanien. Der unbedarfte Klempner hätte lieber nicht auf den dubiosen Brief eines unbekannten Wohltäters reagiert, denn kaum reist er mit seinem medienscheuen Bruder Mario zur Erstbegehung des vermeintlich gewonnenen Traumhauses, wird der Erstgeborene auch schon entführt. Luigi verbleibt verwirrt, verstört und vermutlich mit feuchtem Hosenboden im gruseligen Anwesen zurück. Willkommen in Luigis Mansion. Nintendos eigene Interpretation von »Stephen King’s Shinning«.

Die Geister die ich rief, haben meinen Bruder geklaut

Luigis Mansion, in der Neuauflage für die Nintendo 3DS Serie, ist, bis auf einige Veränderungen und Anpassungen an die Hardware und die Ansprüche des modernen Spielers, im Kern noch immer das charmante GameCube Launchspiel vom Anfang der 2000er. Mit diesem schmissigen Satz könnte man nun diesen Artikel beenden und endlich Feierabend machen. Ist schließlich auch schon spät und ich muss morgen früh raus. Diese fantastische Idee wird aber leider durch das Spiel nicht unterstützt. Dieses besitzt nämlich ein gewisses Suchtpotenzial, welchem ich mich nicht entziehen kann.

So finde ich mich also vor dem Anwesen des Grauens wieder und weder Tine Wittler noch eine Heimwerkercrew von RTL2 ist in Sicht. Da bleibt dem gestandenen Klempner nur die eigene Kompetenz um den verschleppten Bruder zu befreien und nebenbei die Ruinenimmobilie in halbwegs präsentierbare Bahnen zu prügeln.

Wäre Luigi nicht ein solcher Angsthase, so wäre dieses Unterfangen vielleicht auch zu bewältigen. Seinen persönlichen Charakteristika aber unterworfen, wird am Anfang nur eines geprügelt: nämlich Luigis Körper hinaus aus der Villa. Diese steht unter der Herrschaft von garstigen Gespenstern, für die eine WG mit dem Klempner so gar nicht in Frage kommt.

Was sofort auffällt, ist der Charme des Spiels. Von der Musik, über die liebevollen Animationen, stimmt hier einfach der Ton. Auch der Neuauflage geht an dieser Stelle nichts verloren. Zwar wünscht man sich eine schärfere Auflösung und 5.1 Sound, doch die Hardware des Handheld ist bekanntlich limitiert. Dies tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch. Luigis Mansions ist und war ein kleines Juwel für den kurzen Spaß. Lang ist an dem Titel nämlich nur der Protagonist, nicht aber die Spielzeit der Kampagne. Man darf aber nicht vergessen, dass eben diese Kürze den Wiederspielwert begünstigt.

Der Anfang des Titels jedoch fühlt sich alles andere als kurz an. Vom ersten Betreten des Geisterhauses und dem daraus resultierenden Tutorial bis zum eigentlichen Spielbeginn gehen einige Minuten ins Land, dies klingt zwar verschmerzbar, allerdings wird diese kurze Zeitspanne zum Martyrium aufgrund eines Faktors: Professor I.Gadd. Der kauzige Greis hat sein Labor im Vorgarten des Spuk Etablissements errichtet, um seiner Gespensterforschung nachzugehen. Der unbedarfte Luigi wird prompt zum Hiwi des verkalkten Mümmelgreises und muss in dieser Funktion den patentierten Saugomat zur Geister aufschlürfung anschnallen, um dem verhinderten Parapsychologen schleunigst ektoplasmatische Kreaturen zu beschaffen. Was lustig klingt, wird allerdings durch die ellenlangen Monologe des Professors zur Geduldsprobe. Ich gebe zu, ich überdramatisiere, aber genervt hat mich das senile Geschwafel dennoch.

Dürfen wir endlich ins Haus des Horrors hinein tapsen, verwandelt sich die Genervtheit in pure Freude. Man fühlt sich wie in einer Folge der Serie »Scooby Doo« versetzt. Knarzende Dielen und wehende Vorhänge inklusive. Das Spiel erschafft sich eine Atmosphäre aus Wohlfühlgrusel, ohne jemals wirklich schaurig zu sein. Dies mag manchem zu kindisch sein, vermittelt aber die heimelige Grundstimmung perfekt. Die Vertonung tut ihr übriges, mit ihrem limitierten aber eingängigen Stücken die man auch 15 Jahre später noch mitsummen kann. Ich spreche da aus Erfahrung. Liebevolle Details, wie zum Beispiel eine kurze Szene, die Luigis zitternde Hand zeigt welche zögerlich nach einem Türknauf greift, bevor man einen neuen Raum betritt, runden den positiven Eindruck ab. Obwohl man die Limitationen der betagten Hardware spürt, kann man meistens darüber hinwegsehen. So ist die Kantenglättung gelegentlich am Flackern wie eine Grabeskerze in einem Taifun und auch manche Soundeffekte bleiben eher flach als wuchtig. Zusammenfassend steht der Port dem Original aber verblüffend ebenbürtig gegenüber.

Das Setting selbst schafft es viel Positives zu liefern. Leider kann man dies nicht von den Standardgegnern sagen. Diese warten zwar mit unterschiedlichen Fähigkeiten auf, sind optisch aber zu zahm und generisch. Etwas mehr Kreativität als gar keine wäre zu wünschen gewesen. Zum Glück wissen die Endbosse zu unterhalten, manchmal wird das Geschehen aber gerade während der Bosskämpfe etwas zu hektisch und wild. Im Gegensatz zum Hauptteil des Spiels. Dadurch entsteht gelegentlich ein stocken des Spielflusses. Man merkt, dass die Steuerung eher auf ruhiges Erkunden mit etweiligen Geisterkontakten ausgelegt ist, und nicht für präzises Ausweichen und attackieren von schnelleren Feinden.

Eine Nacht im Haus auf dem Hügel

Das Erste, dass ich über das Spiel sagen möchte ist, wie wunderbar es zwei klassische Motivatoren der Videospielgeschichte nimmt und in einer Haupt- und Nebenebene verbindet. Das Hauptelement wird durch eine Sammelaufgabe zwecks Spielfortschritts geliefert, im Luigis Fall sind die Franchise bekannten »Buhuus« das Objekt der Sammelbegierde. Soweit so bekannt. Allerdings biete die Villa mehr als das. Überall finden sich nämlich Geldscheine, Münzen und andere Wertsachen, welche unser Highscore in die Höhe treiben. Der Highscore liefert am Ende des Spiels eine signifikante Einstufung, welche den Abspann des Spiels beeinflusst. Hier wurden also zwei wunderbare Dinge zu einem gemeinsamen Konzept verschmolzen, welches damals und heute noch heraussticht. Hier offenbart sich auch das Geheimnis, weshalb Luigis Mansion sich wunderbar zum mehrmaligen Durchspielen eignet: Die kurze Spielzeit in zusammenspiel mit der lohnenden Jagd nach immer mehr versteckten Schätzen. Dieses System ist bravourös umgesetzt und eine herrliche Hommage an ältere Titel.

Wie bereits angesprochen beginnt das Spiel mit einem Tutorial. Es wäre schön gewesen, wenn man dieses überspringen könnte. Leider wird uns dieser Luxus verwehrt. Wir bekommen also einen Crashkurs im Umgang mit dem Schreckweg 08/16 und dem wunderbar visualisierten GameBoy Horror zum Scannen der Umgebung. Danach wird uns noch der Koop-Modus präsentiert, dieser ist eine der Neuerungen des Ports und gestaltet sich ähnlich wie in den »Resident Evil«-Titeln für den 3DS. Ein grafisch abgespeckter Avatar eines andere 3DS Spielers begleitet uns durch das Spiel und kämpft mit uns zusammen gegen die glibberigen Gespenster.

Das Spielprinzip selbst ist recht simpel: Mit einer Taschenlampe, welche wir in dieser Version auf die Einstellung »Strobo« stellen können, um den gesamten Raum mit Licht zu fluten, blenden wir Geister um sie anschließend mit dem Schreckweg 08/16 aufzusaugen. Dies geschieht in klassischer Anglermanier. Bewegt sich der Geist nach rechts, zerren wir ihn nach links, bis der grausige HuiBuh erschöpft aufgibt. Je renitenter wir den Geist am Haken halten, umso mehr Belohnungen plumpsen ihm aus den ektoplasmatischen Hosen. Nebenbei lösen wir kleine Rätsel und verwandeln Bosse in kostbare Gemälde. Es ist positiv zu vermerken, dass Nintendo einige der bekannten Bugs der GameCube Version ausgemerzt hat und dem Spiel ebenfalls ein New Game Plus Modus spendiert wurde.

Fazit

Luigis Mansion gehört zu meinen Lieblingsspielen aus der GameCube Bibliothek. Gerade zu Halloween kann man sich nun wunderbar ins dunkle Wohnzimmer setzen und diesen kleinen Klassiker seine Aufmerksamkeit schenken. Jedenfalls in der Theorie. In der Realität wird das Spiel nämlich seit Tagen von meiner Tochter in Beschlag genommen und sie denkt nicht einmal dran mich mitspielen zu lassen. Immerhin darf ich ihr beim Spielen zuschauen, solange ich Abstand halte und nicht so viel »Klugscheisse«, wie sie sagt. Ich spiele mit dem Gedanken, ihr den 3DS zu klauen und zu verstecken. Das wäre nämlich wirklicher Horror für Sie, dann müsste sie sich mit mir unterhalten. Grausigstes Halloween aller Zeiten.

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Übern den Autor

Tim

Geboren 1983, verursachte Tim, kurz nach der Geburt, den Videospielcrash. Vertrug sich allerdings 4 Jahre später mit der Branche und entschied sich fernerhin sein Leben mit ihr zu Teilen. Es gibt zwar manchmal Streit aber wenigstens dem gemeinsamen Kind geht es gut, auch wenn es den Keller nie verlässt.

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