PS4

Planet Alpha: Hin und zurück – Test (PS4)

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Sci-Fi-Spiele und -Filme gleichen stilistisch, bis auf wenige Ausnahmen, wie ein Ei dem anderen. Metall ist das dominierende Element, austauschbare Laserwaffen und stereotype Marines in generischen Rüstungen bestimmen die Szenerie. Design der Architektur und des Interieurs geben sich die Klinke in die Hand. Alles wirkt oftmals wie aus der Retorte. Man könnte meinen, insgeheim existiert so etwas wie ein Einmaleins des Sci-Fi-Designs. Eine löbliche Ausnahme stellt hingegen »Alien« mit seiner retrofuturistischen Designsprache dar.

Ein kleines Indie-Team aus Dänemark schickt sich an, dieser Monotonie Einhalt zu gebieten. Auf dem Exoplaneten Alpha erwartet euch ein buntes wie lebhaftes Potpourri aus wahnwitziger Flora und Fauna, wie ihr sie so garantiert noch nie gesehen habt. Lasst mich euch auf eine Exkursion durch diese fabelhafte, extraterrestrische Welt nehmen. Meine Erlebnisse in dieser exotischen Umgebung schildere ich euch durch die Augen des unscheinbaren wie hageren Protagonisten, einem namenlosen Astronauten unbekannter Herkunft…

Aller Anfang ist schwer.

Aller Anfang ist schwer

Déjà-vu

Langsam lichtet sich der dunkle Nebel auf meinen Augen, schafft Platz für das rote Licht der gleißenden, lebensfeindlichen Umgebung. So fremdartig diese Ödnis und die von ihr ausgehende, überwältigende Einsamkeit auch sein mag, spüre ich doch zugleich eine seltsame Vertrautheit bei ihrem Anblick. Dann erst registriere ich den unbändigen Schmerz, welcher meinen zermarterten Körper wie ein Blitzgewitter durchfährt. Langsam schleppe ich mich vorwärts, einen Schritt nach dem anderen. Ohne Erinnerung daran, was mich in diese missliche Lage gebracht hat, wo ich mich befinde oder wer ich überhaupt bin.

Vom feurigen Ödland über Wüsten, welche von längst vergessenen Wracks einer fremden Spezies gezeichnet sind, bis hin in steinige Gebirgsregionen treibe ich mich immer weiter an. Schließlich stehe ich vor einem Höhleneingang, welcher von in Stein gemeißelten Fratzen gesäumt ist. Aus der Ferne beobachtet mich jemand oder etwas von der Spitze des Gebirges aus. Einen kurzen Moment glaube ich gar, dort mein eigenes Antlitz erspäht zu haben. Kann das denn sein? Wahrscheinlicher jedoch erliege ich meinen eigenen Sinnestäuschungen. Oder etwa doch nicht? Doch kurz darauf umhüllt meine Augen wieder dunkler Nebel…

Atemberaubender Ausblick.

Atemberaubender Ausblick

Am Ende der Zeit

In einer von wenigen Fackeln schummerig erleuchteten Höhle komme ich wieder zu mir, meine Schmerzen wie durch Magie vergangen. Um mich herum und auf dem Boden erspähe ich seltsame Symbole und Inschriften, welche ich nicht zu deuten vermag. Also stehe ich auf, gehe weiter des Weges entlang, um mich aus der staubigen Luft dieser Gruft zu befreien. Als ich das Licht am Ende des Tunnels erblicke, tragen mich meine Beine, angetrieben von der Sehnsucht nach Freiheit, immer schneller vorwärts. Gleißend helles Sonnenlicht raubt mir einen Moment lang die Sicht, bis sich meine Augen allmählich dem Tageslicht angleichen. Was ich vor mir erblicke, raubt mir abermals all meine Sinne, denn die Aussicht ist schlichtweg phänomenal.

Ein Tal erstreckt sich bis zum Horizont, soweit meine Augen reichen. Es ist gezeichnet von weitläufigen, mit hohem Gras dicht bewachsenen Steppen, durchsetzt von zahllosen Gewässern, umhüllt von schützendem Gebirge. Dazwischen erkenne ich immer wieder steinerne Ruinen. Mannigfaltige, turmhohe, pflanzenartige Gebilde prägen außerdem die Szenerie, während all das wie ein Regenbogen koloriert ist. Die Natur auf diesem fremdartigen Planeten zeugt von einer beispiellosen Kreativität und Lebendigkeit, wie es sie so wohl kaum ein zweites mal im Universum zu bestaunen gibt. Diese überwältigenden Eindrücke beschränken sich aber nicht auf die Flora, sondern erstrecken sich in gleichem Maße auch über die aberwitzige Fauna. Majestätisch wie grazil gleiten seltsame Wale durch den Himmel. Imposant posaunend, so dass es auch das letzte Lebewesen im hintersten Winkel des Planeten vor Ehrfurcht erbeben lässt. Um manche der Wasserstellen sammeln sich gigantische Langhälse, ähnlich den irdischen Brontosauriern. Variantenreiche Vögel und riesige Insekten schwirren durch die Lüfte. Sagenhaft!

Seltsame Apparaturen ermöglichen die Rotation des Planeten.

Seltsame Apparaturen ermöglichen die Rotation des Planeten

Invasion

Als ich all diese Eindrücke allmählich verarbeitet hatte, setzte ich meine Reise über die Steppe fort. Weit hinten am Horizont erblicke ich ein seltsames Metallgerüst, um welches ganze Schwärme an Flugobjekten kreisen. Scheinbar eine Baustelle, doch was wird hier gebaut und von wem? Während ich mir meinen Weg durch hohes Gras bahne und durch manchen Teich wate, bleibt mein Herz plötzlich vor Schreck beinahe stehen: Mit einem lauten Knall durchbrechen unzählige Flugobjekte die Atmosphäre, schlagen mit einer Wucht sondersgleichen auf dem Boden auf und spucken augenblicklich seltsam anmutende Kampfroboter aus.

Die blechernen Usurpatoren eröffnen direkt das Feuer auf jegliche Lebewesen, welche ihre Sensoren zu erfassen kriegen. Mangels Waffen versuche ich also, ihren Scannern nach Möglichkeit zu entgehen, denn andernfalls werde ich von ihren Laserpistolen schneller perforiert, als ich vor Schmerzen aufschreien kann. An manchen Stellen auf meiner Reise kann ich die KI-gesteuerten Widersacher jedoch gegeneinander ausspielen, durch geschicktes Vorgehen mit Steinen zertrümmern oder zu riesigen Kreaturen locken, welche sie wie eine Blechdose zusammenfalten.

Die Königen dieses Nestes lässt nicht mehr lange auf sich warten.

Die Königin dieses Nestes lässt nicht mehr lange auf sich warten

Raum und Zeit

Vorwärts ist der Weg und so geht es immer weiter, über die Steppe, durch dunkle, mit giftig-grün leuchtenden Insekteneiern übersäte Höhlen, tiefe Dschungel oder uralte, brüchige Ruinen bis hinein in eine mysteriöse Fabrikanlage der Invasoren tief unter der Oberfläche. Auf meiner Reise stolpere ich immer wieder über seltsame Artefakte. Längst vergessene Apparaturen, welche ich auf mir unerklärliche Weise zu nutzen lerne. Durch sie kann ich den Planeten rotieren, bin Herr über Tag und Nacht. Das hat spürbare Auswirkungen auf meine Umgebung.

In der Dunkelheit finde ich besser Schutz, am Tage schlüpfen Blätter aus ihren Knospen und dienen mir als Plattform. In der Nacht erfüllen diesen Zweck unheimlich glühende Pilze. Auch manche Vorrichtungen der alten Zivilisation lassen sich nur durch die Rotation des Planeten in Bewegung versetzen, so dass ich meinen Weg fortsetzen kann. Immer wieder entdecke ich Portale, Risse im Raum-Zeit-Gefüge. Schlüpfe ich durch diese hindurch, bewege ich mich in einer seltsamen, verzaubernden Leere. Unter stark verringerter Gravitation springe und schwebe ich durch ein buntes Lichtgewitter von einer sich bewegenden Plattform zur nächsten. Hier wird all meine Geschicklichkeit gefordert.

Was dieses Gebilde am Firmament wohl zu bedeuten hat?

Was dieses Gebilde am Firmament wohl zu bedeuten hat?

Mysterium

Je näher ich dem Ende meiner Odyssee komme, umso mehr fügt sich das Puzzle zusammen. Es findet sich niemand, welcher mir erklären kann, was hier wohl geschehen sein mag, doch meine eigene Interpretation beflügelt das umso mehr. Warum erblicke ich immer wieder teils grausam entstellte Leichname auf meiner Reise, welche mir ähneln wie ein Ei dem anderen? Warum starten die Roboter eine Invasion auf diesen doch so friedlichen Planeten? Was für ein metallenes Ungetüm wird da am Ende des Horizonts erbaut? Weshalb stellte sich mir bereits zu Beginn meiner Pilgerschaft eine seltsame Vertrautheit ein und warum war ich so schwer verletzt? Auf all diese spannenden Fragen finde ich, mitunter mein Blickfeld füllende, spektakuläre Antworten. Antworten, welche all die Pein, welche ich unterwegs auf mich nehmen musste, mehr als rechtfertigen.

Der Dschungel überwältigt sprichwörtlich Eure Sinne.

Der Dschungel überwältigt sprichwörtlich Eure Sinne

Fazit

Junge, Junge, selten habe ich solch einen kreativen, spektakulären, mystischen, bizarren, abstrakten und überwältigenden Plattformer erlebt. Entschuldigt das Sammelsurium an Adjektiven, doch weiß ich mir nicht anders zu behelfen. Planet Alpha ist ein wahres Juwel. Schnell saugt es euch in einen Flow, zieht euch mit all seinen faszinierenden Eindrücken in seinen Bann und habt ihr euch von jenen gerade erholt, so folgen auch schon die nächsten. Besonderes Lob gebührt den Entwicklern für den beispiellosen Erfindergeist, welchen diese bei der Gestaltung des Planeten und seiner Flora und Fauna bewiesen haben. Gegen Ende überwältigen euch mitunter bildschirmfüllende Ereignisse und Kreaturen.

Da dürfte auch dem letzten Kritiker die Spucke wegbleiben. Apropos Kritik: Einerseits ist das Spiel relativ anspruchslos, andererseits sterbt ihr ganz in der Machart eines »Another World« oder »Flashback« (Hier zum Test) so manchen, unfairen Tod nach dem „Trial & Error“-Prinzip. Das bremst immer mal wieder, je nach Güte der eigenen Geschicklichkeit, den Spielfluss und hätte nicht sein müssen. Abgemildert wird dieser Umstand immerhin durch fair verteilte Checkpoints, gänzlich dafür entschädigt hingegen das schlichtweg atemberaubende Finale!

  • Team17
  • PC/PS4/Switch/Xbox One
  • Bereits erhältlich
  • 20 Euro
Teile.

Übern den Autor

Alessandro

Gamer. Geek. Minimalist. Seine größte Leidenschaft wurde auf 8-Bit-Konsolen entfacht und ist bis heute ungebrochen. Liebt unkonventionelle Titel abseits des Mainstreams ebenso wie AAA-Blockbuster.

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