Runner 3 – Test (Switch)

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +

Es läuft bei ihm. Mit diesen unbestimmten Singular ist natürlich Commander Video aus der Bit.Trip-Reihe Runner gemeint. Diese feiert nun auf der Switch einen exklusiven Einstand. Ob das Sequel der Konkurrenz davon läuft oder ob man als Spieler lieber die Beine in die Hand nimmt, erfahrt ihr im folgenden Test zu Runner 3.

Präsentation

Das erste was uns im Spiel Runner 3 für die Switch begrüßt, ist die wunderbare Stimme von Charles Martinet. Der Synchronsprecher, der vielen Menschen vor allem als die Stimme von Mario ein Begriff ist, heißt uns auf seine ganz eigene Art willkommen. Diese ersten Momente, mitsamt Werbeparodie und fünfziger Jahre Serien Revue, stimmen uns auf den Ton des Spiels ein. Dieser liegt irgendwo zwischen Tex Avery Cartoon und Ren & Stimpy Marathon. Die Grafik kann man sich so vorstellen, dass sich tausend Einhörner, nach einem heiklen Fruit Loops überkonsum, in ein Kotz-o-Rama ergehen. Alles ist bunt, vibrierend und platzt vor Lebendigkeit aus allen Nähten.

Es ist beeindruckend, wie viel Liebe und Zeit in das Design der Umgebung geflossen ist, wenn man bedenkt, dass der Spieler diese während des Spielens unmöglich wahrnehmen kann. Die Wertschätzung des Aufwands kommt daher eher von etweiligen Zuschauern. Runner bietet auf diese Weise nicht nur dem Spielenden ein Erlebnis, sondern auch demjenigen, der auf der Couch neben ihm sitzt. Die Animationen des Commanders, wenn auch überschaubar, fügen sich wunderbar ins Bild ein und erzeugen so ein bezaubernd, schrulliges Gesamtwerk. Einzig das leichte Ruckeln im Bereich von 0,2 Sekunden nachdem man einen Checkpoint passiert hat, unterbricht die ansonsten flüssige Präsentation.

Bevor man sich ins Geschehen stürzt, erzählt uns das Spiel seine „Handlung“ anhand von Papiermarionetten. Dies ist erneut ein Verweis auf Kinderserien der Fünfziger. Die Handlung lässt sich wie folgt zusammenfassen: Sie stört nicht, ist stubenrein und macht auch ansonsten keine Probleme. Neben dem Rahmen, gebildet durch das bereits angesprochene referenzieren alter Unterhaltungsformen, und dem Hauptspiel, bietet Runner 3 noch einen Retro Modus. Dieser kann durch das Sammeln von VHS Kassetten, von denen sich eine in jeder Welt versteckt, freigeschaltet werden. Hier findet nun ein Stilwechsel statt. Statt wie im Hauptspiel auf 2.5D zu setzen, zeigt sich der Retro Modus als handwerklich sehr kompetenter 2D Plattformer. Gezeichnete Sprites ersetzen die gerenderten Modelle und die Musik ist klar inspiriert von namenhaften Vertretern des Jump & Run Genres.

Dies bringt uns per Schnellzug zur Vertonung. Runner 3 wird oft als Rhythmus/Plattformer bezeichnet. Dies erscheint mir, als Freund von Rhythm Heaven und Elite Beat Agents, als falsch. Zwar bauen wir, durch das Einsammeln von Goldbarren und Boomboxen, die Musik mit auf, jedoch ist das Taktmaß abweichend von der Gameplay Kommunikation. Was damit gemeint ist: Die Goldbarren müssten, sofern wir uns tatsächlich in einem Rhythmus Spiel befänden, so platziert sein, dass der Takt den optimalen Absprungpunkt bildet. Dem ist nicht so. Im Gegenteil. Ich musste feststellen, dass das Einhalten des Taktes bestimmte Passagen unnötig verkompliziert. So sehr ich die wirklich hervorragende Musik von Runner 3 schätze, so muss ich gestehen, dass ich bei herausfordernden Passagen eher den Ton ausgeschaltet habe um nicht aus dem tatsächlichen Takt zu kommen. Dennoch muss man an dieser Stelle nochmal betonen: Die Musik ist grandios. Von beschwingten Andy Griffith inspirierten Stücken bis zu Adrenalin treibenden Bässen bietet Runner ein breites Spektrum an hervorragender Qualität. Einen Rettungsanker für schwere Passagen ist sie allerdings nicht. Eher ein an die Füße gebundenes Kontergewicht.

Gameplay

Hier bietet Runner 3 nun seinen ganzen Charme auf. Im Grunde ist das Spiel schnell erklärt: Du rennst automatisch, du hüpfst, du doppelspringst, du rutscht auf den Knien und trittst fiese Hindernisse in den Orbit. Hinter diesen sehr einfachen Steuerung, welche übrigens absolut zuverlässig bedienbar ist, verbirgt sich allerdings eine Nagelkeule die mit wachsender Begeisterung auf deine Testikel einprügelt. Runner 3 hasst Anfänger inbrünstig und versteckt dies nicht hinter geheuchelter Höflichkeit, denn das „M“ in Runner steht für „Menschlichkeit“. Während die erste Welt mit ihren 10 Leveln für erfahrene Spieler noch im Bereich der Standard Herausforderung liegt, beginnt spätestens in der zweiten Welt die Trennung zwischen Spreu und Weizen. Eine kleine Erinnerung daran, wie man die Spreu vom Weizen trennt gefällig? Man prügelt auf sie ein. Genau dies tut Runner mit jenen armen Sterblichen, die sich aufgrund des einmaligen Durchspielens eines Kirby Titels als Jump & Run Gott wähnen.

Im Spielverlauf fasst nun ein wahrlich gut durchdachtes Konzept komplett ineinander: Wie bereits eingangs erwähnt, ist die Grafik unheimlich lebendig und aktiv. Was für den Zuschauer unterhaltend ist, sorgt beim Spieler für so fest zusammen gepresste Pobacken, dass man ein Stück Kohle binnen einer Stunde in einen Diamanten verwandeln könnte. Es ist als würde das gesamte Design brüllen: „Guck mal: Ein Eichhörnchen!“, während der Spieler versucht mit Nitroglycerin zu jonglieren. Runner 3 verlangt eine Fokussierung welche tibetischen Mönchen erst nach 30 Jahren Meditation abverlangt wird.

Lange Sätze, kurzer Sinn: Runner 3 ist ein bisschen schwerer als die Konkurrenz. Es hilft dabei nicht, dass in jedem Level 100 Goldbarren, 25 Diamanten, Questobjekte, Papiermarionetten und VHS Kassetten auf den sammelwütigen Spieler warten. Der Lohn allerdings ist mehr als befriedigend. So schalten wir mit Goldbarren geheime Level frei, nutzen Diamanten für kosmetische Gegenstände, befreien dank Heldenaufgaben neue Figuren und nutzen VHS Kasetten um praktisch ein vollständiges Spiel im Spiel zu erleben. Einzig das Treffen einer Zielscheibe am Ende eines perfekten Laufs kann frustrieren. Wer nämlich nicht das Bullseye trifft, hat den Level nicht zu hundert Prozent erfüllt. Bis man das Spiel also vollständig bezwungen hat werden einige Seen aus Tränen, Schweiß und Urin entstehen.

Bemerkenswert ist, wie virtuos die Designer ihre Level konstruieren, besonders wenn man sich die einfache Steuerung ins Gedächtnis ruft. Hier wird das Maximum an Möglichkeiten herausgeholt um den Spieler nicht nur einen Stock, sondern gleich einen ganzen Nadelwald zwischen die Beine zu werfen. Manche Gefahren des Levels sind zwar ziemlich dreiste Fallen, welche nur umschifft werden können durch verinnerlichen des Level Aufbaus, dies verzeiht man jedoch, weil das Gefühl nach dem Beendigung eines Levels einfach großartig ist.

Manch einer mag sagen, die Level seien zu lang und mit nur einem Checkpoint zu unnachgiebig, allerdings möchte ich anmerken, dass eben das ständige Wiederholen der Abschnitte am Ende den Unterschied macht zwischen gelernter und verinnerlichter Spielmechanik.

Fazit

Runner 3 ist ein gutes Spiel. Trotz etlicher Flüche und körperlichen Zuckungen war ich nicht in der Lage aufzugeben. Zu groß war der Ansporn das Spiel zu bezwingen. Damit verkörpert der Titel eine, meiner Meinung nach, grundlegende Eigenschaft eines Videospiels. Das Medium dient nicht der sanften Berieselung und ständigen, unverdienten Selbstbeweihräucherung des Spielers, sondern fordert etwas ein: Hingabe. Zugänglichkeit und Einsteigerfreundlichkeit sind schön und gut, ich aber will, dass ein Videospiel meine Haustür eintritt und mich mit den Worten „Leck mich am Arsch, du Lauch.“ herausfordert, damit ich dann am Ende des Tages über den rauchenden Überresten der Software triumphierend posieren kann. Runner 3 ist so ein Spiel, aber ich persönlich, werter Leser, glaube nicht dass du das Zeug dazu hast so ein Spiel zu meistern….oder doch?

Teile.

Übern den Autor

Tim

Team verlassen im Oktober 2018.

Kommentieren