Street Fighter 30th Anniversary Collection – Test (Switch)

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Schon gewusst? Nach der Spielhallen Version kam Street Fighter als Fighting Street auf dem PC heraus. Allerdings wurde dieser Name dann später abgelegt, weil Street Fighter für ein Kampfspiel mehr Sinn machte als Fighting Street. Schliesslich ging es in Street Fighter um Straßenkämpfer und nicht um Typen die Straßen bekämpfen. Sollte diese Informationen nicht ausreichen um bei deiner nächsten Mathematiker Party jemanden aufzureißen, werter Leser, so empfehle ich dir das Singledasein mit etwas sinnvollem zu füllen: Zum Beispiel mit intensivem Street Fighter Training! Und was würde sich besser dazu eignen, als eine Sammlung der Spielhallen Versionen dieser Maßstäbe setzenden Prügelspiel Reihe? Ist diese Kollektion nun der heilige Gral des Prügelspielers oder entpuppt sie sich nur als der Bierkrug der Schande? Erfahre es jetzt!

Runde 1 – Lobe! Präsentation

Das Spiel beginnt mit einem ordentlichen 5er Kombo im Hauptmenü. Wir bekommen dort einen Offline, Lokal (mit Switch Exklusiven Turniermodus) und Online -Modus präsentiert, gefolgt von einem Museumsbereich und einem kargen Optionsmenü als Finisher. Die Optionen erlauben uns die Steuerung zu konfigurieren, sowie die Credits zu betrachten und die Sprache zu ändern.

Im Museumsbereich gibt es nun den ersten Leckerbissen für Serienfans. Es erwarte uns eine Zeitlinie von 1987 bis Heute in der mit vielen, oftmals unveröffentlichten, Designs und Konzeptzeichnungen die Geschichte der Reihe erläutert wird. Anmerkungen und Kommentare werden in Deutsch angezeigt und wir haben die Möglichkeit eine Dia Show aus dieser virtuellen Zeitreise zu machen. Haben wir uns genug gebildet, können wir anschließend im Musikbereich den gesamten Kompositionen aller 12 auf dem Modul befindlichen Titeln lauschen. Zu der Musik selbst lässt sich wenig sagen, was nicht schon oft gesagt wurde. Nicht umsonst handelt es sich um eine der ikonischten Vertonungen des Genres. Sollte uns das Verlangen überfallen von jenem Moment an unser Leben stets mit dem Street Fighter Soundtrack zu untermalen, können wir eine Playlist anlegen. Was könnte besser zu einer Trauerfeier oder einer Hochzeit passen als „Guile’s Theme“? Mir fällt darauf keine Antwort ein.

Worauf es eine Antwort gibt, ist die Frage: „Tim, Musik und Geschichte ist ja schön und gut, aber wo lerne ich mehr über die Charaktere des Spiels?“. Fürchte dich nicht, hypothetischer Leser, es gibt im Bereich „Charaktere“ alles was dein gieriges Herz begehrt. Dort finden wir nicht nur ein vollständiges Profil jeder Figur, sondern auch ein Animationstheater in welchem wir die Bewegungen der Kämpfer Bild für Bild betrachten können.

Im Anschluss dürfen wir unser Wissen über die Serie noch einmal vertiefen indem wir uns für 1 Stunde im Making of Street Fighter Bereich versenken. Für Spieler mit ehrlichen Interesse an der gesamten Prügel Chronik wird hier ein wirklich hochwertiges Kompendium geboten, welches in dieser Form bisher vergeblich gesucht wurde. Ein klares und deutliches Plus für diese Sammlung. Machen wir nun einen Salto in die verschiedenen Spielmodi. Sei bereit zu blocken, werter Leser, denn nun folgen einige kraftvolle Nostalgie Uppercuts.

Im Bereich Offline finden wir neben einem 2-Spieler Versus und Trainingsmodus, auch den klassischen Arcade für alle 12 enthaltenen Spiele. Um welche handelt es sich dabei? Street Fighter, Street Fighter 2 in allen 5 Varianten (Original, Champion Edition, Hyper Fighting, New Challengers, Super Turbo), Street Fighter Alpha 1-3 sowie Street Fighter New Generation, 2nd Impact und das fantastische Third Strike. Dem Switch Spieler bleibt Street Fighter 4 als Preorder Dreingabe für PS4 Spieler verwehrt, das Trostpflaster bildet ein Turniermodus im lokalen Modus, welcher die alte Tournament Automaten simuliert, an welchen 8 Spieler den König der Spielhalle bestimmen konnten. Der für die Portierung zuständige Entwickler „Digital Eclipse“ hat hier meisterhafte Arbeit geleistet. Die verschiedenen Titel sind 1:1 Versionen der Spielhallen Legenden. Spätestens jetzt sollte jedem Leser allerdings klar werden, dass es sich ganz vehement NICHT um die Konsolen Version der Spiele handelt. Dies mag den einen oder anderen irritieren, bildet aber für enthusiastische Prügelspieler einen Kaufgrund, da diese Versionen bisher nie so perfekt zu erwerben waren.

Wir können nun, bei Street Fighter 1 beginnend, auf eine Zeitreise durch die Evolution der Reihe gehen. Mit dem Wissen aus der Museumstour bewaffnet, können wir nun fundiert wertschätzen wie sich die Reihe von den simplen Anfängen zu künstlerisch und design technischen Höhepunkten in der „Alpha“ und „New Generations“ geschwungen hatte. Die Präsentation von Grafik über den Aufbau bis zur Vertonung lässt Nostalgiker und Begeisterte strahlen vor Glück. Allerdings bedroht ein Schatten diese glanzvolle Portierung.

Runde 2 – Kritisiere! Gameplay

Die Street Fighter Reihe saß nicht umsonst auf dem Genrethron. Hier wurde nicht, wie in Game of Thrones, Gift und Intrigen genutzt, sondern durch schiere Kompetenz die Krone errungen. Alle Titel sind, im Kontext ihrer Zeit, Puzzleteile für den modernen Standard des Genres. In Bezug auf Super Street Fighter 2 Turbo, Alpha 3 und Third Strike sprechen wir sogar von Kampfspiel Perfektion. An der Gameplay Front gibt es keine Kritik, einzig der Joycon der Switch macht uns das Handling etwas schwer und filigran. Es empfiehlt sich einen gängigen Arcade Stick zu benutzen, allerdings nur wenn man mehr will als die gelegentliche Runde mit Freunden. Sämtliche Mechaniken, Techniken und Metas der original Titel sind vorhanden und durchführbar, und verbleiben als Richtungsweisend.

Das größte und meist ersehnte Feature dieser Kollektion aber, ist der Online Modus. Dieser funktioniert ausschließlich mit Street Fighter 2 Hyper Fighting, Super Street Fighter Turbo, Alpha 3 und Third Strike. Die gute Nachricht zuerst: Der Netcode, also die Kommunikation zwischen den Klienten und ihre Durchführung, ist gegenteilig zu anderen Quellen, sehr gut und funktioniert. Unsere Vor-Ort Tests im Gain Hauptquartier ergaben gute Werte. Im Lokalen Modus kam es in einer von sechs Runden zu leichten Verzögerungen, diese waren allerdings der WLAN Verbindung geschuldet.

Ebenfalls ohne Klagen lief der Online Modus, WENN man mit Spieler seiner Region spielt. Hier kommt nun das geradezu monumentale ABER: Das Spiel ist in der Wahl und Konfiguration des Online Gegners nicht nur spartanisch, sondern schlicht nicht zu akzeptieren. Es fehlt an Verbindungsfilter, Regionfilter und Latenz Indikator. Was bedeutet das? Ich kann nicht bestimmen ob ich nur gegen Gegner mit guter Internetverbindung oder aus meiner Region kämpfen will. Ebensowenig gibt mir das Spiel die Information mit welcher Latenz mein möglicher Gegner an den Start geht durch die standardmäßigen Darstellung einer Ampelgrafik oder lässt mich im Falle von schlechter Verbindungsstärke einen anderen Gegner wählen. Das ist inakzeptabel und trübt das Online Vergnügen immens. Diese schwerwiegende Nachlässigkeit sorgt dafür, dass der Titel nur eingeschränkt zu empfehlen ist. Hier MUSS Capcom aktiv werden und nachjustieren, besonders mit Hinblick auf den Preis von 50 Euro.

Fazit

Im lokalen, offline und Online Modus mit Freunden in der Nähe glänzt diese Sammlung. Mühelos wird hier ein emotionaler Hadoken beschworen der mich aus den Socken haut. Das überwältigende Angebot an Artworks und Informationen ist über alle Maßen beeindruckend. Als ich jedoch mit meinem geliebten Dudley in Third Strike Online die Krone erringen wollte, verblasste der positive Eindruck. Wenn du, werter Leser, Freunde hast die oft zu besuch sind oder Online Kumpel aus der Region dein Faible für Prügelspiele teilen, kann ich dir Street Fighter 30th Anniversary uneingeschränkt empfehlen. Solltest du aber danach dürsten endlich die besten Vertreter der Reihe Online gegen Fremde zu spielen, solltest du deine 50 Euro erstmal sparen und auf einen Patch warten.

Runde 3 – You, kind of, win!

Teile.

Übern den Autor

Tim

Geboren 1983, verursachte Tim, kurz nach der Geburt, den Videospielcrash. Vertrug sich allerdings 4 Jahre später mit der Branche und entschied sich fernerhin sein Leben mit ihr zu Teilen. Es gibt zwar manchmal Streit aber wenigstens dem gemeinsamen Kind geht es gut, auch wenn es den Keller nie verlässt.

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