Die Liste der schlechten Videospielverfilmungen ist lang und auch dieser Film hat das Potential eine Enttäuschung zu werden. Aber wie gut ist der Film nun wirklich? Ich habe ihn in 2D gesehen und dieser Artikel ist ursprünglich kurz nach dem Kinobesuch erschienen.

Ich mag Warcraft

Ich kann es wohl nicht verheimlichen, dass ich ein Warcraft Fan bin und zwar schon seit der Real Time Strategy Reihe. Ich war also wirklich gespannt, was da auf mich zukommt, aber eines sollte man von vornherein wissen: Dies ist nicht der World of Warcraft Film, dies ist ein Warcraft Film. Das Warcraft Franchise ist sehr viel größer als nur World of Warcraft und es ist in meinen Augen die erste richtige Entscheidung gewesen, sich nicht auf WoW zu konzentrieren. So folgt der Film grob dem ersten Spiel „Warcraft Orcs and Humans“, wandelt die Geschichte stellenweise ab und bringt auch ein wenig Vorgeschichte mit rein.

Nicht vergleichbar mit Herr der Ringe

Ihr solltet kein Epos im Stile von Herr der Ringe erwarten. Videospielverfilmungen leiden oft an zum einen überzogenen Erwartungen der Fans und zum anderen dem Spagat zwischen „Fanfilm“ und „Einer breiten Masse zugänglich sein“. Der Spieler möchte in der Regel eine möglichst genaue Umsetzung haben und kann auf die Hintergründe verzichten (da er sie ja eh schon kennt), der 08/15 Kinogänger braucht sowas aber um der Geschichte folgen zu können. Haken an der Geschichte ist, dass ein Kinofilm um einiges teurer ist als ein Videospiel und in den seltensten Fällen reichen die Fans aus, um den Film zu einem Erfolg zu machen. Man muss also irgendwie beide Lager erreichen und genau daran scheitern die meisten Videospielverfilmungen.

Scheitern auf hohem Niveau

Auch Warcraft scheitert hier. Nicht so kläglich wie ein Uwe Boll Film, aber er scheitert. Die Charaktere bleiben zu eindimensional, die Dialoge zu austauschbar. Wir erfahren einfach zu wenig über die Hintergründe der Charaktere, vor allem auf Allianzseite. Dazu kommt noch, dass der Film trotz mehr als 2 Stunden Laufzeit durch die Story hetzt.

Nicht alles ist schlecht

Das klingt nun erstmal wie „Was für ein Drecksfilm“ – aber so schnell wollen wir das mal nicht verschreien. Trotz der offensichtlichen Unzulänglichkeiten hat der Film auch etliches zu bieten, das aber hauptsächlich für Fans. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf das Universum. Für meinen Geschmack zwar noch zu wenig, aber verschmerzbar. Es gibt sogar Anspielungen auf andere Universen, damit übertreibt man es aber nicht. Die Welt ist wunderbar, da hält man sich sehr an die Vorlagen aus den Spielen.

Die orcische Architektur ebenso wie die zwergische oder die der Menschen sieht exakt so aus, wie man sie aus den Spielen kennt. Generell sieht einfach alles so aus, wie aus den Spielen. Ich war mit zwei Leuten im Kino, die beide WoW gespielt hatten, aber nie die RTS Vorgänger und auch sonst weniger der Story gefolgt sind. Beide fanden den Film toll, wenn auch nicht überragend, hatten am Ende aber noch Fragen.

Eine Frage hätte ich noch

Die hatte ich auch, vor allem eben über die Allianzcharaktere, deren Beweggründe größtenteils im Dunkeln bleiben. Es wirkt am Ende so „Wir machen ja noch mehr Filme und wir müssen irgendwo anknüpfen“. Ich denke, es gestaltet sich schwierig, diese Story in einen einzelnen Film zu packen. Wäre weniger Story eventuell mehr Tiefgang der Charaktere gewesen? Oder hätte man mehr Laufzeit gebraucht? Hätte Warcraft als Zweiteiler Erfolg haben können? Darüber kann man wie immer nur spekulieren.

Fazit

Es ist ein verdammt teurer Fanfilm, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er macht aber definitiv Lust auf mehr, nächstes Mal aber bitte mit mehr Tiefgang. Ich habe schon das Transformers Franchise niedergehen sehen (IMO fing die Reihe mit dem ersten Teil ähnlich an wie hier), das möchte ich mir hier ersparen. Was ich noch anmerken möchte: Wie schon in WoW stört mich einfach die Eindeutschung von Ironforge, Doomhammer oder Laughing Skull. Auf Deutsch klingt es eben nur halb so toll. Ach ja: Es heißt ORC und nicht ORK (in Warcraft). 
Wieso wird das immer und überall falsch gemacht? ☺

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Über den Autor

Marco

Marco hat seine ersten Spielerfahrungen auf dem Atari VCS 2600 gesammelt und zockt heute nach wie vor am liebsten auf der Konsole. Er hat schon in der Videospielbranche gearbeitet und hat ein Faible für Videospielverfilmungen, egal wie schlecht sie auch sein mögen. Er schreibt über das Leben auf seinem Blog www.dergole.de

  • Dabei seit:
  • Jan. 2017
  • Erstes Spiel:
  • Metroid 2 - Return of Samus
  • Spielt zur Zeit:
  • Formel 1 2017, Splinter Cell Reihe
  • Lieblingsspiel:
  • Rollenspiele, Stealth
  • Lieblingsessen:
  • Pizza
  • Lieblingsmusik:
  • Irgendwas mit Gitarre und nicht Techno

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