Die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland wirft ihre Schatten voraus. Der Fußball wird somit im kommenden Sommer wieder in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Hat Konami das mit ihrer neuen Version von Pro Evolution Soccer auch geschafft? Wir haben die aktuellste Version von Konami auf der PlayStation 4 getestet.

Was ist neu?

Welche Neuerung im Spiel direkt auffällt ist, dass die Jungs von Konami beim Spieltempo ordentlich auf die Bremse getreten haben. Das Spiel wirkt dadurch weniger hektisch und auch noch ein Tick realistischer als die Vorgängerversion. Insgesamt fühlt sich das Spielgeschehen super an. Der Ball läuft gut und auch die Bewegungen der Spieler sowie die Ballan- und mitnahmen sehen klasse aus. Allerdings wird der Ball für meinen Geschmack ein bisschen zu häufig mit der Hacke oder einem artistischen Move an den Mitspieler weitergeleitet. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man eine europäische Spitzenmannschaft oder eine drittklassige Nationalmannschaft spielt.

Dies führt unter anderem auch dazu, dass schwache Teams im Spiel zu wenige Fehler produzieren. So kommen selbst schwache Teams in Pro Evolution Soccer 2018 auf Passquoten von über 90%. Im Vergleich dazu betrug die Passquote im Spiel zwischen dem FC Schalke 04 und dem VfL Wolfsburg am vergangenen Wochenende bei beiden Teams nur rund 80%. Etwas mehr Fehler im Spielaufbau, insbesondere in der gegnerischen Hälfte, würde einem noch realistischeren Spielverlauf guttun. Die Standardsituationen wurden ebenfalls überarbeitet. Durch das Entfernen des Zielfadens sieht man nicht mehr genau wo man hinzielt und das macht es sehr schwer selbst aus guten Standardsituation Kapital zu schlagen.

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Die Gladiatoren betreten das Spielfeld.
Die Gladiatoren betreten das Spielfeld.

Das leidige Thema: PES und die Lizenzen

Aus Europa sind aktuell die französische Ligue 1 und die holländische Eredivisie vollständig mit allen Teams und Spielern lizensiert. Aus der Serie A fehlt „lediglich“ der italienische Rekordmeister Juventus Turin (PM Black White). Ansonsten sieht es aus europäischer Sicht aber relativ mau aus. Die Bundesliga wird durch Borussia Dortmund, dem FC Schalke 04 und den Mannen aus Leipzig repräsentiert, wobei diese Teams den „Rest Europas“ zu geordnet sind. Ansonsten existieren in den anderen zur Auswahl stehenden europäischen Ligen (Spanien, England und Portugal) noch vereinzelte Originalteams.

Dadurch stellt sich, wie bereits bei dem Vorgänger, häufig die Frage: „Gegen wen Spiele ich da eigentlich gerade?“. Eine größere Auswahl an weiteren europäischen Ligen bzw. nicht nur eine selektive Auswahl an zweiten Ligen hätten dem Spiel nicht geschadet. Insbesondere da diese von der Community, wenn notwendig eh aktualisiert werden würden. Immerhin konnte Konami neben den Teams und Spielern auch die Stadionrechte etc. von unter anderem Borussia Dortmund, dem FC Liverpool und dem FC Barcelona lizensieren.

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Auch im Spiel wird man auf dem laufenden Gehalten.
Auch im Spiel wird man auf dem laufenden Gehalten.

Die Atmosphäre überzeugt… teilweise

Die drei letztgenannten Vereine hat Konami dafür auch sensationell in Szene gesetzt. Da passt einfach alles, vom Vorspiel in den Katakomben bis zum Betreten des Platzes. Die Stadien sind optisch schön präsentiert und auch Stimmungsvoll inszeniert. Umso trostloser wirkt es dann, wenn man eine der nicht lizensierten Mannschaften nimmt und der Kontrast dem Spieler umso deutlicher vor Augen geführt wird. Insgesamt ist die Grafik in Spiel eine Augenweide und muss sich keineswegs vor der Konkurrenz verstecken. Die Superstars sehen ihren echten Alter-Egos zum Verwechseln ähnlich. Allerdings nimmt diese detailgetreue Darstellung bei Spielern der zweiten oder dritten Reihe deutlich ab, wie man Beispiel von Bastian Oczipka, sieht.

Die In-Game Grafiken wurden ebenfalls überarbeitet und machen deutlich mehr her als beim Vorgänger. Die Konsequenz lässt Konami dabei allerdings etwas vermissen. Teilweise werden die echten Spielerbilder angezeigt, manchmal grafisch aufbereitete Gesichter und manchmal nur Platzhalter (graue Gesichter). Für eine stimmige Vorgehensweise wäre ein einheitliches Vorgehen sinnvoll gewesen. Im Spiel werden inzwischen auch Statistiken eingeblendet. Grundsätzlich eine super Neuerung, aber auch hier stören auch die teilweise grauen Gesichter. Insbesondere in Gruppenphasen hätte ich mir Einblendungen von Zwischenständen der Parallelspielen gewünscht.

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Fußball kann so schön sein.
Fußball kann so schön sein.

Die schnöde Statistik

Apropos Statistik. Die Benotung der Spieler am Ende der Partie ist wie bereits seit Jahren und auch im letzten Test von Pro Evolution Soccer 2017 von mir kritisiert, weiterhin völlig unverständlich. Grundsätzlich wirken fast sämtliche statistischen Werte überholt bzw. fernab der realen Fußballwelt. Im Spiel wird die Passquote angezeigt, am Ende des Spiels darf ich mir sie anhand der Pässe und der Pässe (gespielt) selbst herleiten, wobei wenn man es ganz genau nimmt, die Bezeichnung auch schlicht weg falsch ist, denn auch nicht angekommen Pässe wurden „gespielt“. In diesem Bereich hat Konami aus meiner Sicht noch ordentlich Gelegenheit einiges an Potenzial zu heben.

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Die neue farbliche Gestaltung weiß zu überzeugen. Die Statistik leider nicht.
Die neue farbliche Gestaltung weiß zu überzeugen. Die Statistik leider nicht.

Alte Bekannte und neue Auswahl

In das neue Pro Evolution Soccer 2018 wurde die „Zufallspartie“ integriert. Hier kann man gewisse Kriterien für die Zusammenstellung der Mannschaft festlegen (z.B. nur Spieler unter 20 Jahren oder nur Spieler mit isländischer Nationalität). Nach der Festlegung der Teams kann im Anschluss noch mit dem Gegenspieler verhandelt werden. Dabei versucht man seine eigenen Spieler zu schützen und einen ungeschützten Spieler des Gegners zu ergattern. Eine durchaus ganz nette Neuerung. Grundsätzlich liegt der Fokus aber weiterhin auf dem Online Modus. Die Einzelspielermodis „Werde zur Legende“ und „Meisterliga“ sind trotz kleiner Anpassungen doch weiterhin eher langweilig und eintönig. Andere Sportspiele (z.B. NBA2K18) zeigen da deutlich wie das bessergeht. Neu im Spiel ist nun die Möglichkeit der 3 vs. 3 Partie.

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Oczipka...Wer sonst!? Ob er sich selbst erkannt hat?
Oczipka...Wer sonst!? Ob er sich selbst erkannt hat?

Auf den Weg zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland

Konami ist auch nicht weiter auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 eingegangen. Zwar existiert wie immer der Pokal-Modus „Internationaler Pokal“ (Quasi der WM-Modus) im Spiel, aber aus meiner Sicht hat man dadurch bei Konami eine große Chance vertan. Immerhin sind wieder knapp 90 Nationalmannschaften in das Spiel integriert. Einige von diesen sind wie z.B. die deutsche Fußball- Nationalmannschaft oder die Équipe Tricolore auch vollständig lizensiert. Aber ein Modus mit Qualifikation etc. zur Weltmeisterschaft, so wie bei der FIFA Edition von 1998, sucht man vergebens. Ebenso schade ist die Tatsache, dass man nicht einfach alle bestehenden Nationalmannschaften in das Spiel integriert hat. Auf die ein oder andere Mannschaft mehr mit nicht originalen Daten kommt es dann, meiner Meinung nach, auch nicht mehr an. Vor allem weil auch Nationen fehlen, die aktuell noch realistische Chance haben sich für die WM 2018 zu qualifizieren (u.a. Demokratische Republik Kongo, Kap Verde).

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Neue schöne Aufbereitung der In-Game Grafiken. Leider nicht ganz konsequent.
Neue schöne Aufbereitung der In-Game Grafiken. Leider nicht ganz konsequent.

Fazit

Bei der Bewertung des Spiels war ich hin und hergerissen. Die Frage die über allem steht: „Ist Pro Evolution Soccer 2018 ein gutes Spiel?“ Ja, das ist es definitiv. Es macht wie immer Spaß gegen Freunde oder gegen den Computer anzutreten. Den großen Schritt nach vorne, sehe ich im Gegensatz zu anderen Magazinen aber nicht. Dafür sind mir die Änderungen nicht tiefgreifend genug und viele alten Schwächen bestehen auch weiterhin. Aus meiner Sicht sollte man, statt jedes Jahr einen Messi oder Neymar jr. noch detailgetreuer darzustellen, sich eher einmal um die breite Masse an Spielern kümmern oder um die Spieltiefe u.a. der „Meister-Liga“, denn hier herrscht gefühlt nicht erst seit dem letzten Jahr stillstand.

Mal abgesehen von der „Zufallspartie“ und der „3 vs. 3-Partie“. Das ist für mich auch der Grund, weshalb die Bewertung unter der der Vorgängervision liegt. Wobei die Zahlen suggerieren, dass es sich um einen Rückschritt handelt, dem ist aber nicht so. Es geht voran, langsam, aber es geht voran. Meinem Geschmack nach, nur etwas zu langsam und in die falsche Richtung. Gespannt sein darf man, wie es nächstes Jahr um die Rechte der Bundesliga bestellt sein wird. Bis zum Ende der aktuellen Saison 2017/18 hat die Bundesliga einen Exklusivvertrag mit EA Sports. Sehen ob Konami hier zum Zug kommen kann und einen ähnlichen Coup, wie bei den Champions League Rechten, landen kann.

PES 2018 - Wertung/Fazit

80 Sehr Gut

PES 2018 ist ein gutes Spiel, es macht wie immer Spaß gegen Freunde oder gegen den Computer anzutreten. Doch leider sind die Änderungen nicht tiefgreifend genug und viele alten Schwächen bestehen auch weiterhin. Um den Vorgänger zu übertreffen reicht es nicht aus jedes Jahr einen Messi oder Neymar jr. noch detailgetreuer darzustellen, da muss mehr kommen.

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Über den Autor

Christian

Christian übte sich früh an Videospielen und wuchs mit dem SNES und Mario Kart auf. Heute am liebsten in Sport- und Simulationsspielen beheimatet.

  • Dabei seit:
  • Okt. 2016
  • Erstes Spiel:
  • The Legend of Zelda (Super Nintendo)
  • Spielt zur Zeit:
  • PES 2018 & Age of Empires II
  • Lieblingsspiel:
  • Mario Kart, International Superstar Soccer Deluxe, Patrizier I, FIFA 98, Mafia I und Anstoss 3
  • Lieblingsessen:
  • Gnocci
  • Lieblingsmusik:
  • Bosse & Madsen

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